0 zwischen 1 – und die Bedeutung für die Kommunikation

03. 04. 2018

Ja oder nein. Zustimmung oder Ablehnung. Annehmen oder abstoßen. Schwarz oder weiß. Dafür oder dagegen. Es gibt nur mehr 0 oder 1. Es scheint nichts mehr dazwischen zu geben.

Werner Pfeffer ist studierter Mathematiker, Kreativberater, Zeremonienmeister und Künstler:

„Ich habe Programmieren gelernt. Vor 45 Jahren. Mich faszinierte die Herausforderung, exakt und sehr klar zu denken. Alle Überlegungen folgten dem Prinzip: ENTWEDER – ODER. Wann immer es im Zuge des Programmierens, etwa einer Formel, zu einer Entscheidung kam, hieß es: ENTWEDER es ist SO, dann passiert in der Folge das, ODER es ist SO, dann passiert das. Es gab nur das ENTWEDER – ODER. So wie im binären System, das zugrunde liegt: da gibt es nur 0 oder 1. Da gibt es kein Dazwischen, keine Übergänge, keine Zwischentöne, kein Vielleicht.

Heute triumphiert die Digitalisierung. Wir halten sie in der Hand, sehen ihr auf allen Bildschirmen in die Augen, werden von ihr gelenkt und gezogen und versuchen ihren Empfehlungen und Ratschlägen zu folgen oder zu entkommen. Apps, Algorithmen, Soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Postings, Passwörter. Es gibt nur 0 oder 1. Im binären System, das zugrunde liegt. Da gibt es kein Dazwischen, keine Übergänge, keine Zwischentöne, kein Vielleicht. Genau da sind wir jetzt.

Genau das haben wir geschaffen: 0 oder 1. So sieht unser Umgang miteinander aus. Es gibt RICHTIG oder FALSCH, WEISS oder SCHWARZ, DAFÜR oder DAGEGEN. Strikt JA oder strikt NEIN. Es gibt kein ‚Naja’, kein ‚Wie wäre es, denn wenn…’, kein ‚Nehmen wir doch was von dem und von dem’, kein ‚Wie wäre es, wenn ich Dieses und Jenes gemeinsam denke…’ und auch kein ‚So eindeutig ist das vielleicht gar nicht’. Gibt es nicht. Es gibt nur mehr 0 oder 1. So sehen unsere Diskussionen aus, unsere Wahlmöglichkeiten, unsere Positionen, unsere Zugänge. Das stimmt mich traurig, macht mich hilflos, drängt mich in die EINE (0) oder die ANDERE (1) Position. Das will ich nicht.

Ich rufe zur Rückeroberung der Zwischenräume auf. Zum Wiederauffinden der Übergänge. Zum Wiederbehaupten der Zwischentöne. 0 und 1 definieren keinen Raum. Die Räume, in denen ich leben möchte, sind dazwischen. Zwischen 0 und 1. 0 zwischen 1.

Ich freu mich auf ein buntes Kennenlernen. Im Zwischenraum.“

Was bedeutet das 0 und 1 – Denken für die Kommunikation?

Der aggressive, laute Ton hat in den vergangenen Jahren sowohl in der Gesellschaft, im politischen Alltag als auch in den Medien zugenommen. Die Polarisierung in der Gesellschaft steigt, weil wir Menschen sowohl im Berufs- als auch Familienleben Stress und Druck erleben. Zudem dreht sich unsere Welt auf Grund der Globalisierung und der fortschreitenden Digitalisierung gefühlt immer schneller.

Blitzschnell Entscheidungen zu treffen hat unser Gehirn schon im Überlebenskampf in den Urzeiten gelernt. Die Schnelligkeit der Information beeinflusst auch unsere Meinungsbildung: Immer seltener nehmen wir uns die Zeit einen ausführlichen Artikel zu lesen, um einen Sachverhalt zu verstehen. Stattdessen nehmen wir immer mehr bloß plakative Überschriften wahr, die aus wenigen Reizworten bestehen. Das haben längst auch Politiker erkannt und ihre Rhetorik dementsprechend angepasst. Schlagworte vor Inhalten ist oft die Maxime. Wir konsumieren diese Schnellschüsse und nehmen uns öfter ein Beispiel daran als uns lieb ist.

Die heutigen Entwicklungen tragen dazu bei, dass wir uns immer schwerer tun unsere gefasste Meinung zu revidieren und stichhaltige Argumente des Gegenübers zuzulassen. Ein Zugehen oder ein Zugeständnis an das Gegenüber wird gleich als Schwäche ausgelegt. Doch Kommunikation funktioniert immer nur im Dialog. Wie sagte schon Paul Watzlawick? Man kann nicht nicht kommunizieren. Also ist auch die Verweigerung der Kommunikation Kommunikation sprich ein Zeichen von fehlendem Respekt oder fehlendem Interesse an einer Lösung mit dem Gegenüber. Mit aktiver, zeitgerechter Kommunikation kommen wir Menschen und auch Unternehmen immer weiter, als mit ENTWEDER – ODER.

Und vielleicht lohnt sich ein genaueres Hinschauen, denn uns bewegen meist große Metathemen wie Sicherheit, Orientierung, Harmonie, Kontrolle oder Stabilität. Um nur einige zu nennen. Bezogen auf die höhere Ebene kann es gut sein, dass die Ansichten und Interessen der handelnden Parteien gar nicht so weit auseinanderliegen. Wenn nicht, dann kommt es darauf an, wie verfahren die Situation ist: Steckt bei einer Partei eventuell politisches Interesse mit all seiner Willkür dahinter? Kommen die handelnden Personen ohne Gesichtsverlust nicht mehr aus der festgefahrenen Lage? Dann hilft meist nur mehr Schadensbegrenzung.

Akzeptanz schaffen, professionell Kommunizieren

Damit es gar nicht so weit kommt, sollten Unternehmen ihre Krisenhandbücher stets adaptieren und die jeweiligen Ansprechpartner griffbereit haben. Im Falle des Falles sind regelmäßige Jour fixe Meetings zur aktuellen Situation und angepasste Kommunikation unausweichlich. Potenzielle „Krisenherde“ sollten schon im Ansatz erkannt werden – sei es der Firmenausbau im bewohnten Gebiet, ein Projekt in einer immer sensibleren Natur oder die Umwidmung von Landschaftsfläche, ein neues Einkaufszentrum am Ortsrand. Der erste Schritt ist alle Beteiligten ernst nehmen und schon von Anfang an miteinbinden.

Die neue „Währung“ heißt Akzeptanz schaffen und das möglichst frühzeitig. Alle Beteiligten wie die Gemeinde, die Anwohner, umliegende Betriebe oder mögliche Prozessbegleiter und Kommunikatoren müssen je nach Nähe und Zugang vom Projektbetreiber einbezogen werden. Bürgerbeteiligung bzw. die Einbindung der Öffentlichkeit gelingt vor allem dann, wenn die Bürger als informierte Öffentlichkeit und bei fachlicher Moderation planerisch mitwirken und sich abgeholt fühlen.

Professionell aufgegleiste Projektkommunikation mit allen relevanten Zielgruppen und Stakeholdern fördert so den sachlichen und faktenorientierten Dialog zwischen den Beteiligten. Trotz allem ist das aber leider auch keine Garantie, dass nicht eine Partei ins 0 und 1 – Denken verfällt. Es bleibt spannend.

 

 

Fotocredit (c): Jack Moreh / www.freerangestock.com

Samuel Dürr

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