Wann platzt die Filterblase?

28. 11. 2017

Sind Filterblasen eine echte Gefahr oder nur Panikmache? Immerhin haben sich Menschen schon immer gerne mit Gleichgesinnten umgeben.

„Filterblasen“ sind in aller Munde. Sie bezeichnen das Phänomen, dass User online nur noch Informationen angezeigt werden, die zu ihren Ansichten passen, da Algorithmen die Ergebnisse z.B. bei der Google-Suche personalisieren. Doch haben sich Menschen nicht schon immer gerne mit Gleichgesinnten umgeben? Hat der Liberale nicht schon immer eine liberale Zeitung gelesen und der Konservative eine konservative?

Gefangen in der Echokammer?

Wir haben dazu zwei wichtige Vertreter der österreichischen Medienbranche befragt, deren Meinung zu dem Thema interessanterweise leicht divergieren. Mag. Gerald Grünberger, Verbandsgeschäftsführer VÖZ – Verband Österreichischer Zeitungen, ist der Meinung, dass sehr wohl erste Anzeichen für eingeschränkten Informationskonsum zu beobachten sind – besonders bei den Millennials. Mangelnde Vielfalt an Meinungen und Themen und das Verharren in Filterblasen sind in bestimmten Zielgruppen Realität und nicht bloße Angstmacherei. Er appelliert, dass wir als Gesellschaft einer entwickelten westeuropäischen Demokratie kein Interesse daran haben sollten, dass Bürgerinnen und Bürger in digitalen Echokammern leben und Falschmeldungen Glauben schenken. Schlussendlich unterstreicht er die Schlüsselrolle der professionellen Redaktionen, deren Aufgabe es ist Öffentlichkeit und Partizipation herzustellen.

Hysterie um die Filterblasen

Laut Katharina Schell, Mitglied der Chefredaktion APA – Austria Presse Agentur, ist in der Diskussion um Filterblasen definitiv ein Hauch Hysterie zu finden. Schnell wird behauptet, dass „die Leute“ auf Facebook überhaupt nur mehr jene Informationen erhalten, die ihr Weltbild, ihre Haltungen ohnehin bestätigen. Und schnell wird der Untergang der Demokratie beschworen. Aus Mediensicht ist das ihrer Meinung nach differenzierter zu sehen. Zentrale Frage für etablierte Medienmarken muss sein: „Wie erreiche ich meine User?“ Nicht aus Sendungsbewusstsein, sondern zum Wohle der eigenen Marke und um die nicht nur von Qualitätsmedien beanspruchte Rolle als „Vierte Macht“ auch erfüllen zu können.

Christina Prechelmacher

Christina Prechelmacher


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