„Erwarten Sie kein Verständnis für Ihre Probleme“

23. 11. 2017

Gerade wer nicht täglich Interviews gibt, sollte für den rasch eintretenden Ernstfall gut vorbereitet sein. Interviewtrainer Hannes Külz über „Medienmanöver“, Botschaften und kritische Schweigemomente.

Seit wann sind Sie als Medientrainer bei Intomedia tätig und wie sind Sie dazu gekommen?
Seit gut sechs Jahren. Als Redakteur der „Financial Times“ habe ich unzählige Interviews geführt, die härteste Schule war allerdings meine Zeit als „Außenpolitikexperte“ im Kinderradio. Erklären Sie mal einem Zwölfjährigen die Ursachen der Flüchtlingskrise – in 15 Sekunden! Um in den Medien zu bestehen, müssen auch Manager, Forscher, Staatsanwälte oder Feuerwehrkommandanten ihre Botschaften schnell auf den Punkt bringen. Dabei brauchen sie professionelle Unterstützung. Das war mein Ansatz. Und als Intomedia in Berlin einen Trainingsort eröffnete, passte das eine genau zum anderen.

Als Journalist sind Sie gefordert, möglichst aufschlussreiche Antworten von Ihren Gesprächspartnern zu erhalten. Als Trainer bereiten Sie Ihr Gegenüber genau auf solche Interviewsituationen vor. Sind diese beiden Rollen nicht widersprüchlich?
Nein. Ein Interview ist kein Nullsummenspiel, bei dem der eine gewinnt, was der andere verliert. Am Ende sollen beide zufrieden sein. Als Journalist schätze ich jeden Interviewpartner, der meine Geschichte bereichert: indem er Kompliziertes mit guten Beispielen erklärt, eine klare Meinung hat und würzige Zitate liefert. Es stört mich überhaupt nicht, dass er sich darauf vorbereitet. Im Gegenteil. Als Trainer muss ich den Interviewpartner allerdings auf unfaire Fragetechniken vorbereiten. Das ist gut so, denn dadurch schaffe ich ausgewogene Verhältnisse.

Warum ist ein gut vorbereiteter Gesprächspartner sowohl für den Journalisten als auch das Publikum von Vorteil?
Ein Journalist braucht spannende und knackige Statements, um für die nötige Aufmerksamkeit beim Publikum zu sorgen. Ein schlecht vorbereiteter Interviewpartner sagt oft langweiliges Zeug. Um ihm etwas Gehaltvolles aus der Nase zu ziehen, wird der Journalist immer kritischer, der Interviewpartner eiert rum oder büxt aus. Etwa nach dem Motto „Ihre Frage ist gut, aber falsch gestellt …“. Die Sache dreht sich im Kreis und davon hat letzten Endes niemand etwas. Weder das Publikum, noch der Journalist, noch der Interviewpartner.

Die aus Ihrer Sicht unangenehmste Frage?
Eine der unangenehmsten ist gar keine Frage, sondern das „Bitte-weiterreden-Schweigen“: Der Journalist schaut dem Interviewpartner nach dessen Antwort eindringlich in die Augen und sagt nichts. Besonders vor Kameras und Schweinwerfern erzeugt das einen wahnsinnigen Druck. Um dieses peinliche Schweigen zu durchbrechen, reden viele Interviewpartner weiter und dabei über Inhalte, die besser nicht gesagt werden sollten. Natürlich gibt es auch Standards, wie die „Können Sie zu 100 Prozent ausschließen, dass …“-Frage. Im Training üben wir effektive rhetorische und psychologische Steuerungsmaßnahmen, die es möglich machen, den eigenen Kurs zu halten. Egal wie gefinkelt die Frage ist.

Was ist das oberste Gebot bei einem Interview in einer Krisensituation?
Erwarten Sie kein Verständnis für Ihre Probleme. Halten Sie sich an den Plan.

Hannes Külz
leitet bei Intomedia in Wien die Abteilung Print- und Online. Er schrieb als Redakteur der „Financial Times Deutschland“ über Technologie-Unternehmen und Außenpolitik, war häufiger Gast in TV-Talkshows und Auslandsexperte im Kinderprogramm von Deutschlandradio Kultur. Seine Artikel erscheinen nach wie vor in der „Welt am Sonntag“ und auf „Spiegel Online“. Er lehrt Public Relations und Krisenkommunikation an verschiedenen deutschen Hochschulen.

ikp

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