5 Lehren aus der ersten Woche im COVID-19-Modus: EY-Strategieberater Johannes Schneider im Gastkommentar

23. 03. 2020

5 Lehren aus der ersten Woche im COVID-19-Modus: EY-Strategieberater Johannes Schneider im Gastkommentar

Im Altgriechischen beschreibt „crisis“ jenen schicksalhaften Moment im Verlauf einer Krankheit oder einer Schlacht, der über Leben und Tod und über Sieg und Niederlage entscheidet. Das Ergebnis ist völlig ungewiss, die Beobachter halten den Atem an und nach kurzer Zeit ist bereits klar, wie alles ausgegangen ist. Dass sich etwas eine „Krise nennt, was sich über Wochen oder gar Monate hinzieht – das hätte es bei den alten Griechen nie gegeben!

Altphilologischen Krisenpuristen sollte unsere Aufmerksamkeit in diesen Tagen nun aber wirklich als letztes gelten. Die erste „Coronawoche“ war an Spannung kaum zu überbieten. Hier die fünf wichtigsten Lehren aus der ersten Woche:

Österreichs Unternehmen sind exzellent: Was in den letzten Tagen in den heimischen Betrieben in einer Mischung aus Agilität und umsichtiger Planung auf die Beine gestellt wurde, ist atemberaubend: Quasi über Nacht wurden Belegschaften auf Telearbeit umgestellt, Produktionspläne adaptiert oder liquiditätssichernde Maßnahmen getroffen. Die Telefonate mit unseren Kunden haben uns auf den heimischen Wirtschaftsstandort richtig stolz gemacht. In kurzer Zeit wurde vieles richtig gemacht!

Wir haben ausgezeichnete CEOs: Diese Exzellenz im Krisenmodus ist zu einem guten Teil den Führungscrews zu verdanken. Was in den letzten Tagen an Managementqualität sichtbar war, ist atemberaubend: Empathische und hochfrequente Kommunikation in den Führungsteams, mit Arbeitnehmervertretern und den Belegschaften hat Vertrauen geschaffen. Dass die meisten Wirtschaftskapitäne schon jetzt den Fokus auf das Positive der aktuellen Entwicklung richten, macht Mut: Viele Führungskräfte treibt derzeit neben der Sicherung des volatilen Alltags die Frage „Wie kann ich COVID-19 nutzen, um aus dieser Situation gestärkt zurückzukehren?“. Statt „Managing the Downturn“ steht „Managing the Rebound“ oben auf der Managementagenda der österreichischen CEOs.

Applaus für die Helden der Arbeit: Zurecht wird dem Personal in Supermärkten und im Gesundheitswesen applaudiert – sie leisten Herausragendes. Hinzu kommen aber auch viele österreichische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – nämlich all jene, die in der letzten Woche noch am Band standen und die Produktion aufrechterhalten haben. Auch ihnen gilt es mehr als deutlich zuzurufen: „Auf euch kommt es an! Ihr seid das Rückgrat der österreichischen Wirtschaft.“

Zocker aufgepasst – das merken wir uns! Der weitaus überwiegende Teil der Unternehmenslenker agiert verantwortungsvoll und im Sinne eines echten Schulterschlusses im Land. Die letzten Tage brachten zwar überwiegend Gutes zum Vorschein, dennoch berichten einige CEOs von Amtskollegen, die in der Krise kurzfristig Kleingeld wechseln wollen und Lieferanten ohne sachliche Gründe unter Druck setzen. Dieses Vorgehen kann auch etablierten Geschäftsbeziehungen nachhaltig schaden.

Ostern ohne Auferstehung? Der große Unsicherheitsfaktor im Zusammenhang mit COVID-19 ist die Dauer des aktuellen Zustands. Wir haben die unmittelbare Umstellung in dieser Woche mit Bravour geschafft. Die angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft geben darüber hinaus ein bemerkenswertes Maß an Sicherheit. Dennoch: Viele Unternehmenslenker fahren die nächsten Wochen „auf Sicht“ und planen kurzfristig. Die Zeit „nach Ostern“ markiert eine mentale Abrisskante. Sollte die „Auferstehung“ im Sinn einer Rückkehr zum Normalbetrieb nach Ostern vorerst ausfallen, treten wir in eine ganz neue Phase des „Wirtschaftens“ ein, für die derzeit noch keine klaren Pläne in der Schublade liegen.

Fazit: Wir erleben in diesen Wochen Einzigartiges, das unser aller Perspektive auf Wirtschaften langfristig und nachhaltig verändern wird. Die aktuelle Zeit bringt das Beste in unserem Wirtschaftsgefüge zum Vorschein und viele Beobachtungen stimmen sehr positiv. Sollte die COVID-19-Zeit auch noch über Ostern hinaus andauern, müssen wir uns auf genau diese neu entdeckten Stärken konzentrieren und werden innerhalb kurzer Zeit erneut über uns hinauswachsen. Wir packen das.

 

Johannes Schneider ist Strategieberater bei EY und fasziniert von der einmaligen Kombination aus anspruchsvoller Analytik und deren Umsetzung in dem „sozialen System“.

Seit Jahren unterstützt ikp EY bei der Kommunikation zu gesellschaftsrelevanten Themen: von Arbeitsmarktzahlen über das Mittelstandsbarometer bis zu neuesten technologischen Entwicklungen. Bei Zahlen, Daten, Fakten zählt insbesondere deren Analyse und Interpretation – durch EY Experten, die gerade jetzt in COVID-19-Zeiten auch gerne auf ein besonderes Wundermittel setzen: Humor.

 

Konnten wir Ihr Interesse zu Strategischer Beratung und Krisenkommunikation & Reputation Management wecken? Hier geht es zu unseren Leistungen.

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

 

Titelbild (c) EY


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