Der Aufstieg der chinesischen Tech-Unternehmen

20. 12. 2018

Der Aufstieg der chinesischen Tech-Unternehmen

Um digitale Trends zu erkennen, lohnt sich der Blick nach China. Hier spielen Smartphones die Hauptrolle. Chinesische Tech-Unternehmen haben den Trend erkannt.

In keinem Land der Welt nutzen die Menschen ihr Smartphone mehr als im Reich der Mitte. Nirgendwo verbringen die Menschen gleich viel Zeit vor dem „kleinen Bildschirm“, nirgendwo sind auf Smartphones so viele Apps installiert wie in China. Zufall ist das keiner. Katherine Xin, Professorin an der China Europe International Business School und Wirtschafts- und Globalisierungsexpertin, sieht einen der Gründe für den Vorsprung der Volksrepublik in der digitalen Mobilkommunikation in der (mangelnden) technischen Infrastruktur. Lange gab es in China kaum Festnetzanschlüsse, vor allem ländliche Regionen hatten keinen oder kaum Zugang zur Telekommunikation. Der Einstieg erfolgte erst mit dem Aufkommen der Mobiltelefone – und so war der Zugang zur mobilen Nutzung von Anfang an anders, als in westlichen Ländern. Das hat die Nutzungsmuster geprägt und Berührungsängste abgebaut. Pochen wir in Europa heute im Webdevelopment immer noch auf „Mobile First” – also den Umstieg auf mobile Endgeräte – gab es in China keine „Personal Computer Revolution”. Schlicht weil es in ländlichen Chinas gar keine Devices, geschweige denn Internet gab. Hier stieg man sofort und nahtlos mobil ins Digitale Zeitalter ein. Genau dieser Umstand spielt chinesischen Tech-Unternehmen wie Tencent, Alibaba und Co. in die Hände.

Mobile first

Die Kommunikationswelt der Chinesen dreht sich um das Smartphone und umfasst beinahe jeden Lebensbereich: Es kann vorkommen, dass Restaurants ihren Gästen gar keine physischen Speisekarten anbieten, sondern stattdessen QR-Codes zum Einscannen am Tisch anbieten und so Zugriff auf die digitale Speisekarte ermöglichen sowie automatisch bestellt und bezahlt werden kann. Selbst Straßenverkäufer akzeptieren oft nur noch mobile Zahlungsmethoden. Das Smartphone ist in China ein All-in-One-Gerät – das schlägt sich auch in der Verweildauer nieder: Durchschnittlich verbringt ein Chinese pro Tag zwei Stunden und 40 Minuten mit dem Smartphone und damit neun Prozent länger als der durchschnittliche US-Amerikaner. Neben der Verweildauer unterscheidet sich auch die Zeit, in der sie ihre Smartphones verwenden. In den USA steigen die Ad Impressions vom Morgen bis zum Abend gleichmäßig und nehmen dann wieder ab. Anders als in China, wo die Handynutzung bereits am Morgen ihren Höhepunkt erreicht, was besonders für Werbetreibende eine wichtige Erkenntnis ist, um Nutzer dann zu erreichen, wenn ihr Engagement am stärksten ist. Auch bei der Zahl der durchschnittlich installierten Apps liegen die User in China vorne. Dort sind im Schnitt 103 Anwendungen auf den Smartphones installiert. In den USA sind es hingegen nur 95, in Großbritannien sogar nur 88.

Facebook und Co: Service nicht verfügbar

Dominiert wird die mobile Welt in China hauptsächlich von einigen wenigen großen Tech-Unternehmen, die sich mittlerweile auch in Europa einen Namen gemacht haben. Tencent, Baidu und Alibaba geben am chinesischen Markt den Ton an. Der Grund dafür ist zum einen im politischen System des sozialistischen Landes zu suchen. Versuche von amerikanischen Tech-Giganten wie Google und Facebook, in China Fuß zu fassen, blieben aufgrund der Zensur meist erfolglos. Amazon – dessen chinesisches Pendant Alibaba im Jahr 2017 25 Milliarden Dollar umgesetzt hat – ist am chinesischen Markt zwar präsent, jedoch mit nur einem Prozent Marktanteil. Der Alibaba-Konzern setzt sich aus mehreren Unternehmen zusammen. Die wohl bekannteste Plattform ist „Aliexpress“ – jene Plattform, die Amazon am nächsten kommt. Auf dem riesigen Online-Marktplatz können sowohl Unternehmen als auch Privatanbieter ihre Produkte an Endverbraucher vertreiben. Das Business-to-Business Pendant ist Alibaba.com, mit rund 53 Millionen Benutzern aus 240 Ländern. Hinzu kommen das Online-Auktionshaus Taobao, das Finanzdienstleistungsunternehmen Ant Financial und acht weitere Tochterunternehmen, vor allem aus dem E-Commerce-Bereich.

Das WeChat-Prinzip

Google wurde 2010 in China komplett blockiert und konnte seitdem nur sehr kleine Schritte unternehmen um sich im Land zu etablieren. Baidu, Chinas Nummer 1-Suchmaschine, ist hingegen die am meisten besuchte Website, weltweit befindet sich Baidu auf dem vierten Platz der am meisten besuchten Websites. Übertrumpft wird die Nutzung von Baidu und Alibaba nur noch von Tencent, ein Unternehmen, das auch die Plattform WeChat betreibt, die aus dem Alltag der meisten Chinesen nicht mehr wegzudenken ist. WeChat ist viel mehr als nur eine Social Media-Plattform: Zahlreiche Alltagsgeschäfte werden täglich über App abgewickelt. Für Facebook, das in China blockiert ist, wäre WeChat ein schwer zu übertreffender Konkurrent. Den Börsenwert des amerikanischen Vorbildes hat Tencent bereits überholt. Neben eines klassischen Sozialen Netzwerkes, deckt Tencent auch den Gaming-Markt in China ab. Auf seinem Heimatmarkt ist der Konzern längst Marktführer für Online-Spiele – auch hier liegt der Fokus vor allem auf der mobilen Nutzung. Der Zugang zum Thema Datenschutz unterscheidet sich die Volksrepublik signifikant von jenem in Europa oder den USA. Chinesen sind eher bereit ihre Daten im Gegenzug für persönliche Vorteile – wie etwa Vergünstigungen – preiszugeben. Seit den Datenskandalen rund um Facebook, ist dieses Thema in den westlichen Ländern hochsensibel. Ganz anders sieht das in China aus: Hier liest der Staat genau mit und entscheidet, was die Nutzer sehen dürfen und was nicht.

Den amerikanischen Tech-Größen dicht auf den Fersen

Chinesische Tech-Unternehmen haben erkannt, dass die Zukunft immer mehr in der mobilen Nutzung liegen wird und passen ihre Anwendungen akribisch daran an. Von internationalen Wirtschafts- und Börsenexperten wird den chinesischen Tech-Größen weiteres Wachstum und sogar die Möglichkeit prognostiziert, US-Unternehmen früher oder später komplett zu überholen. Schon jetzt sind Chinas Digital-Champions wettbewerbsfähig. Das liegt nicht nur an den neuen Entwicklungen. Neben ihrem Hauptgeschäft greifen Alibaba, Tencent und Baidu. auch in andere Branchen vor: Sie investieren in Startups aus den Bereichen Elektromobilität oder Online-Unterrichtstools und wecken so das Interesse internationaler Investoren.

Quellen:
gfm-nachrichten.de
fuw.ch
finanzen.at
handelsblatt.at
derbrutkasten.com

Titelbild von Yiran Ding/Unsplash

Valentina Landl

Valentina
Landl


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