Der neue Interview-Alltag: 9 Tipps, wie Sie das Beste aus Video-Interviews herausholen

16. 06. 2020

Der neue Interview-Alltag: 9 Tipps, wie Sie das Beste aus Video-Interviews herausholen

Wie in der Krisenkommunikation gilt auch bei Videochats im beruflichen Umfeld, egal ob TV-Live-Schaltung via Skype oder Zoom-Bewerbungsgespräch: Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wie Sie sich auch in Videokonferenzen professionell präsentieren und worauf Sie beim Setting achten müssen erklären wir hier.

 


Know your platform

Machen Sie sich vorab mit der für das Interview gewünschten Plattform vertraut, falls Sie es noch nicht sind. Skype, Zoom, Jitsi, Microsoft Teams, Eyeson – es gibt viele, und Medien und Arbeitgeber haben unterschiedliche „Lieblinge“. Legen Sie ein Profil an – mit seriösem Namen und Porträtfoto – oder eröffnen Sie ein separates Profil, wenn Sie die Plattform bisher nur privat nützen. Ein Gast-Zugang wirkt unprofessionell und macht es schwerer, Sie zu finden – auch in Zukunft.

 

Technik-Check

Ist die Internetverbindung stabil? Liefert die Webcam scharfe Bilder? Funktioniert das Headset? Ist die Lautstärke von Mikrofon und Lautsprecher in Ordnung? Starten Sie den Rechner rechtzeitig, falls er erst noch Updates laden und dann erneut hochfahren muss. Machen Sie vorab aus, wer wen „anruft“ und schicken Sie zur Vorsicht Ihre ID mit. Die meisten Medien machen einen kurzen Testlauf vor Live-Schaltung – nutzen Sie dieses Angebot. Fällt das aus, checken Sie mit Kollegen oder Freunden die Technik.
Wenn das Bild einfriert, die Kamera ausfällt oder die Verbindung abbricht, trotzdem die Nerven behalten. Auch in dieser Situation steht man unter Beobachtung. Am besten klären Sie bereits vorab mit dem Gesprächspartner ab, wer in solchen Fällen versucht, den Videochat neu zu starten.

 

Mise en place

Führen Sie das Gespräch in einem aufgeräumten und ruhigen Raum. Fenster schließen und andere Geräuschkulissen vermeiden. Wählen Sie einen möglichst neutralen Hintergrund wie ein Bücherregal, achten Sie aber hier darauf, dass Buchtitel oder Aktenordner-Rücken nicht erkennbar sind. Das offensichtlich teure abstrakte Großformat hinter Ihnen wirkt ebenso unsympathisch wie ein Blick auf die weitläufige Dachterrasse. Pflanzen und Familienfotos lenken meist ab.
Nutzen Sie Weichzeichner falls vorhanden, wie zum Beispiel bei Skype. Möchten Sie nichts von Ihrem Homeoffice preisgeben, wählen Sie eine einfärbige Wand. Einige Plattformen wie Zoom bieten die Möglichkeit, einen virtuellen Hintergrund einzublenden – hier empfiehlt sich zum Beispiel ein generisches Foto eines Bücherregals oder einer Ziegelwand.

 

Licht ins Gesicht

Stellen Sie sich vor, Sie posieren für ein querformatiges Oberkörper-Porträt – so sollten Sie am Bildschirm platziert sein. Stellen Sie sicher, dass oberhalb Ihres Gesichts noch ein mindestens handbreiter „Rand“ zu sehen ist und Ihre Stirn nicht angeschnitten ist. Ihr Gesicht sollte nicht bildschirmfüllend sein und wie ein Close-up aussehen, achten Sie daher darauf, dass auch ein Teil Ihres Oberkörpers, maximal bis kurz oberhalb der Tischkante oder bis Nabelhöhe, zu sehen ist.
Vermeiden Sie unbedingt Gegenlicht. Setzen Sie sich nicht mit dem Rücken zum Fenster, auch wenn der Hintergrund nett aussieht. Am besten wirkt Tageslicht von der Seite. Muss man künstliche Lichtquellen einsetzen, sollte sichergestellt sein, dass keine Schatten im Gesicht oder Reflexionen in den Brillengläsern aufscheinen. Nicht zu dicht von vorne leuchten, das macht unnötig blass – und sieht aus wie beim Verhör.
Stellen Sie Ihren Laptop/PC etwas höher, zum Beispiel auf einen Zeitschriftenstapel, sodass die Kamera auf Augenhöhe ist. So hat ein Perspektiven-Doppelkinn keine Chance. An der Kamera zu kleben sieht unvorteilhaft aus. Der beste Abstand liegt bei einem Meter.

 

Kleider machen Leute

Wählen Sie ganz einfach die Kleidung und/oder das Make-up und/oder die Frisur und/oder den Schmuck, die Sie für die gleiche Situation im persönlichen Gespräch tragen würden. Zu COVID-19-Zeiten arbeiten viele im Homeoffice – daher ist es in Ordnung, für TV-Interviews kleine Abstriche zu machen und zum Beispiel auf die Krawatte oder das allzu strenge Kostüm zu verzichten. Kleine Muster verschwimmen, daher sind einfärbige Hemden oder Blusen vorzuziehen, bestenfalls mit Unterhemd, um ein Durchscheinen zu vermeiden. Weißes Hemd vor weißer Wand wirkt geisterhaft – dann doch lieber ein Sakko drüber.
Große Kopfhörer erinnern an Pandas und sehen ab 35 leicht lächerlich aus. In-ear-Kopfhörer mit Mikro lenken weniger vom Gesprächsinhalt ab. Bluetooth kappt jedoch gerne mal die Verbindung mitten im Gespräch. Vielleicht haben Sie noch ein zweites Paar Kabelkopfhörer, das sie vorab als Ersatz für den Notfall bereitlegen können.

 

Ablenkungen abstellen

Achten Sie darauf, Wecker, Handy, Herd und Fernseher auszuschalten und schließen Sie alle Computerprogramme, die Sie nicht brauchen. Informieren Sie Ihre Mitbewohner, Partner und Familienmitglieder vorab und bitten Sie darum, nicht gestört zu werden. Haustiere und Kinder sind berüchtigt für unfreiwillig komische Ablenkungen – achten Sie am besten darauf, dass sie sich gut betreut in anderen Räumen aufhalten. Außerdem gilt: Trinken ja, essen nein. Stellen Sie gern ein Glas Wasser bereit. Essen oder Kaugummikauen sind jedoch tabu.

 

Virtueller Augenkontakt

Halten Sie Ihre Körperspannung und sitzen Sie aufrecht – überprüfen Sie Ihre Haltung regelmäßig im Kontrollfenster auf dem Display überprüfen. Achten Sie darauf, direkt in die Kamera zu blicken, als würden Sie tatsächlich Augenkontakt halten. Auch wenn es schwerfällt – schauen Sie nicht auf den Bildschirm. Das wirkt sonst abgelenkt. Notizen sind natürlich erlaubt, lesen Sie sie aber unauffällig ab. Ausdrucke neben dem Laptop sind besser als das Textdokument auf dem Rechner. Sich während des Interviews Notizen zu machen, ist in Ordnung. Sonst rutschen womöglich wichtige Termine, Fragen oder Namen von Ansprechpartnern durch. Schreiben Sie mit Stift auf Papier, Tippgeräusche stören erheblich.

 

Ruhe vermitteln

Gestikulieren Sie nicht zu stark mit dem Händen, aufgrund der verzögerten Übertragung wirkt das hektisch. Hände besser möglichst stillhalten. Passen Sie Ihren „Auftritt“ dem Medium an. Je schlechter die Internetverbindung, desto deutlicher sprechen. Sonst kommen Inhalte nicht an oder werden missverstanden. Lassen Sie Ihr Gegenüber in Ruhe ausreden und nehmen sich auch Zeit für Ihre Antworten. Für den Fall, dass das Interview länger dauert oder Unvorhergesehenes passiert, ist es ratsam, einen zeitlichen Puffer einzukalkulieren.

 

Fazit: Übung macht den Meister
Spielen Sie das Interview vorab durch. Über die Themen und Inhalte, Gesprächspartner und Art der Ausstrahlung haben Sie sich ja vorab informiert. Notieren Sie zu jeder Frage kurz Ihre wichtigsten 1-3 Botschaften. Wer sich besonders akribisch vorbereiten will, zeichnet ein simuliertes Gespräch mit auf und wertet es anschließend mit einer anderen Person aus.

 

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

 

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Titelbild von Headway bei Unsplash


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