Employer Branding auf Augenhöhe

23. 01. 2019

Employer Branding auf Augenhöhe

Gute Lehrlinge sind rar. Fachkräfte fehlen. Talentierte Führungskräfte sind schwer zu bekommen. Da liegt der Wunsch nach Employer Branding als „Wundermittel“ nahe. Employer Branding ist aber kein Zauberstab, der Probleme verschwinden lässt. Der effektive Aufbau einer erfolgreichen Arbeitgeber-Marke erfordert Einsatz und Durchhaltevermögen.

 

Authentische Kommunikation im Fokus

Die Werte und Eigenschaften, die ein Unternehmen kommuniziert, müssen im Betrieb gelebt werden. Unaufrichtige Kommunikation rächt sich bei Employer Branding besonders schnell – zuerst bei den eigenen Arbeitern und Angestellten und ihrem Umfeld. Ein Employer-Branding-Projekt ist eine gute Gelegenheit zur Selbstreflexion eines Arbeitgebers. Neben Mitarbeitergesprächen und -befragungen bieten die Einblicke externer Partner und neuer Kollegen eine frische Perspektive. Auch Kollegen, die das Unternehmen verlassen, liefern in einem Abschlussgespräch wertvolles – da meistens ehrlicheres – Feedback. Falls sich bei wichtigen Themen wie Stimmung im Team, Chancen zur Weiterentwicklung oder Mitarbeiter-Benefits Probleme auftun, sollten diese angegangen werden, bevor die externe Kommunikation intensiviert wird. Diese Grundlage führt zu einer Employer-Branding-Strategie, die die echten Stärken kommuniziert.

 

Auf Augenhöhe kommunizieren – Menschen erreichen Menschen

Die Mitarbeiter sind die wichtigsten Botschafter des Unternehmens. Ein Satz, der viel Kopfnicken auslöst, aber in der Praxis zu selten ernst genommen wird. Keine Hochglanzanzeige kann den abwertenden Kommentar eines Mitarbeiters wiedergutmachen. Der Erfolg von Employer-Branding-Projekten hängt oft davon ab, wie gut die Belegschaft in die Maßnahmen eingebunden wird. Mitarbeiter, die den Stolz auf ihr Unternehmen und die Freude an der Arbeit nach außen tragen, sind unbezahlbare Multiplikatoren. Gerade in den sozialen Medien gibt es viele spannende Möglichkeiten. Bevor aber der Social CEO mit dem Facility-Management-Microinfluencer in der Kantine sitzt, sollten „Old school“-Grundlagen gelegt werden. Mitarbeiter wollen zum Erfolg des Unternehmens beitragen – und dazu gehört auch Employer Branding. Mit offener Kommunikation und einer ernstgenommenen Vorbildfunktion der Führungsebene wird viel erreicht. Auch wer welche Botschaften trägt, ist entscheidend: So präsentieren auf einer Berufsinformationsmesse die Lehrlinge des Unternehmens am besten ihren Arbeitgeber der jungen Zielgruppe.

 

Sorgsam kommunizieren – Mitarbeiter statt Humanressourcen

Wörter haben Bedeutung. In der Kommunikation mit Mitarbeitern und potenziellen Bewerbern werden oft unpassende Sprache, Tonlage oder Wörter gebraucht. Ein klassisches Beispiel ist die „HR-Abteilung“, die auch in deutschsprachigen Firmen immer öfter anzutreffen ist. Abgekürzt, in Englisch und mit der Assoziation zu Menschenmaterial – drei Hürden in nur zwei Buchstaben. Die falsche Wortwahl in der internen Kommunikation führt zu Missverständnissen und vermeidbaren Problemen – besonders wenn zwischen dem Kommunikator und der Zielgruppe einige Hierarchieebenen liegen. In großen Unternehmen variiert die Alltagssprache von Abteilung zu Abteilung. Unterschiede zwischen den Bildungsgraden und Generationen spielen eine große Rolle. Wer diese Unterschiede bei Ansprachen, Mails oder der Mitarbeiterzeitschrift mitdenkt, vermeidet die Gefahr von „Lost in Translation“.

 

Emotional kommunizieren

Erfolgreiches Employer Branding lebt von Emotionen. Ist beim Mitarbeiter- Foto echte Freude zu spüren oder wurden die Angestellten als Statisten platziert? Welche Stimmung bekommen Bewerber auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch mit? Gefühle lassen sich schwer messen, umso wichtiger ist die Empathie der Geschäftsführung, der Personalverantwortlichen und der Kommunikationsabteilung. Das Team muss spüren, dass es wertgeschätzt wird. Das Feiern erfolgreicher Projekte und das Überwinden von Problemen sprechen diese Gefühlsebene an. Die Verbindung von Emotion und Employer Branding knüpft auch an den Bereich Corporate Social Responsibility an. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen und mit einem Sozialprojekt zu helfen kann das ganze Unternehmen zusammenbringen – und bietet gleichzeitig eine schöne Geschichte für die interne und externe Kommunikation.

Christian
Schernthaner


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