Empörungsmarketing – ein geplanter Shitstorm

21. 05. 2020

Empörungsmarketing – ein geplanter Shitstorm

Tausende Klicks, unzählige Kommentare, ein gigantisches mediales Interesse und das alles wegen einer Instagram Story eines deutschen YouTubers. 10 Stunden, in denen diese spezielle Kooperation 1 Million Views und 10.000 Kommentare generiert.

Am Montag, dem 30. September 2019 um 18 Uhr postet der Influencer Inscope21 mit 2,2 Millionen Abonnenten auf YouTube und 1,9 Millionen Followern auf Instagram, eine Instagram Story und löst damit eine Welle der Empörung aus. Damit  hatte niemand gerechnet. Denn für gewöhnlich nimmt der YouTube-Star seine Follower mit durch seinen Alltag, so scheinbar auch an jenem Abend. Gemeinsam mit seinen Freunden gibt er vor, sich „mal richtig was zu gönnen“ und zeigt: Ein auf Eis gelegtes Delfin-Baby und gibt vor diesen seltenen „Supai Baby-Delfin“ verspeisen zu wollen. Durch ein paar eingeweihte und ausgewählte Influencer wird die Aktion in den darauffolgenden Stunden zusätzlich angeheizt.

Dass er damit eine moralische Grenze überschritten hat, denken nicht nur seine Abonnenten, sondern auch viele seiner KollegInnen. Neben zahlreichen Hass-Kommentaren, hagelt es in kürzester Zeit tausende Unfollows, Sponsoren kündigten öffentlich die Zusammenarbeit und andere Social Media Größen empörten sich lauthals über das Verhalten des YouTubers.

Innerhalb von 48 Stunden berichteten namhafte Medien, wie Spiegel Online, SAT1, stern, RTL, Gala und die Kronen Zeitung über das Video.

Alles nur Fake

Der ursprüngliche Plan sah vor, die Aktion 48 Stunden lang aufrecht zu erhalten.
Doch durch den massiven Shitstorm und die enorme mediale Aufmerksamkeit, wurde die Aktion noch am Tag darauf um 17:00 Uhr mit einem YouTube Video als Prank aufgelöst. Die Erklärung: Alles inszeniert und Teil einer Kampagne des Food-Unternehmens followfood, das auf ökologische Landwirtschaft und nachhaltigen Fischfang setzt. Im Statement-Clip wird außerdem klar: Der Baby-Delfin kam nicht aus dem Meer, sondern war eine Silikon-Anfertigung aus dem 3D-Drucker. Das YouTube Video zählt aktuell fast drei Millionen Aufrufe.

Botschaft, ja – aber welche?

In seinem Video beschreibt es Inscope21 ziemlich eindrücklich: Da sitzt ein Mensch vor seinem Computer, sieht die Kochaktion mit einem niedlichen Baby-Delfin und schon geht der Hasskommentar raus. Danach sticht die gleiche Person wieder genüsslich ins Kalbsschnitzel oder Lammfilet und bedenkt nicht, dass es sich dabei ebenso um Babyfleisch handelt.

Jürg Knoll, Inhaber und Vertriebs-Geschäftsführer von followfood, hat es so formuliert: „Der Shitstorm hat gezeigt, wie schnell wir wütend werden, wenn wir dabei zuschauen, wie ein seltener Delfin gegessen wird. Dabei trägt fast jeder von uns dazu bei, dass immer mehr Arten in den Ozeanen aussterben – vor allem indem wir Fisch kaufen, der aus nicht nachhaltigen oder unbekannten Quellen kommt. Wir fordern: Fisch muss weltweit zu 100% nachhaltig gefangen werden.“ Quelle: xing

Mit Shitstorm zur Reichweite – ja oder nein?

Muss erst ein riesiger Shitstorm heraufbeschworen werden um eine große Reichweite zu generieren? Nein, natürlich nicht. Trotzdem hat die oben geschilderte  Kampagne wie eine Bombe eingeschlagen. So etwas bedeutet aber auch viel Fingerspitzengefühl und einen Notfall-Plan griffbereit zu halten, denn niemand kann steuern, wie sich solch ein riskantes Vorhaben entwickeln wird. Der Auftraggeber followfish ist keine big brand à la Nike oder RedBull. Dementsprechend sind auch die organische Reichweite und Werbebudgets überschaubar. Mit dieser riskanten Aktion und neuen Herangehensweise haben sie aber dennoch die gewünschte Aufmerksamkeit für das Thema „nachhaltigen Fischfang“ erreicht. Außerdem haben sie mit Inscope21 einen mutigen Influencer gefunden, der sich dieser Aufgabe angenommen hat. Ob ähnliche Maßnahmen für followfish oder andere Unternehmen funktionieren können und ebenso positiv enden, ist leider nicht voraussehbar. Dennoch gilt: Wer mutig ist, wird meistens auch belohnt.

Katharina Schneider

Katharina
Schneider


Weitere Neuigkeiten

Hashtags, die um die Welt gehen

Hashtags, die um die Welt gehen

05. 06. 2020

Egal ob #JeSuisCharlie, #metoo oder #BlackLivesMatter – Hashtags werden schon lange nicht mehr nur zur Selbstdarstellung eingesetzt, sondern sind auch zentral für kollektives Handeln und ...

mehr lesen
ikp Corona-Studie: Von Helden & schwarzen Schafen

ikp Corona-Studie: Von Helden & schwarzen Schafen

02. 06. 2020

Ärzte als Helden, Konzerne als schwarze Schafe? Das Corona-Imagekarussell dreht sich schnell – wie Sie Ihre Reputation schützen, lesen Sie hier.

mehr lesen
Wie FIT ist mein Content?

Wie FIT ist mein Content?

31. 05. 2020

Bevor ein Blogbeitrag, ein Social Media Posting, ein Advertorial oder eine Pressemitteilung verfasst wird, sollte sich jede Autorin und jeder Autor die Frage stellen: Wie ...

mehr lesen
ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

27. 05. 2020

92% der Österreicher fühlen sich laut ikp-Umfrage mit TripleM gut informiert. Jeder Zweite ist allerdings schon Fake News aufgesessen. Kritisch prüfe, wer sich informiere!

mehr lesen
„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

26. 05. 2020

Zukunfts- und Marketingexpertin Theresa Schleicher im Interview über Ängste und Hoffnungen, Prognosen zum Post-Corona-Zeitalter und den Megatrend Konnektivität.

mehr lesen
TikTok: Werbepotenzial für Unternehmen?

TikTok: Werbepotenzial für Unternehmen?

24. 05. 2020

Mit 800 Millionen monatlich aktiven Nutzern weltweit: 500 Millionen davon aus China, 30 Millionen aus den USA und 5,5 Millionen deutschen Nutzern befindet sich TikTok auf der Überholspur. Im ...

mehr lesen
nach oben
ikp PR-Agentur Logo