Hashtags, die um die Welt gehen

05. 06. 2020

Hashtags, die um die Welt gehen

Egal ob #JeSuisCharlie, #metoo oder #BlackLivesMatter – Hashtags werden schon lange nicht mehr nur zur Selbstdarstellung eingesetzt, sondern sind auch zentral für kollektives Handeln und politisches Engagement. Social Media-Plattformen erhalten mit Hashtag-Aktivismus ungeahnten Einfluss und Macht.

Soziale Medien sind in unserem Zeitalter kaum noch wegzudenken. Neben dem Zweck der Selbstdarstellung, dienen Plattformen wie Instagram, YouTube oder Twitter heute mehr denn je dazu, sich zu informieren oder Meinungen zu äußern. Über Bilder, Tweets oder Streams werden Statements schnell und global sichtbar. Ergänzt werden die Beiträge meistens mit Hashtags, die sich viral verbreiten und sich damit zum Ausdruck sozialen Protests entwickeln können.

Aktivismus oder doch nur Slacktivismus?

Beinahe alle gesellschaftlichen Fragen werden mittlerweile in den sozialen Medien diskutiert. Smartphone raus und im nächsten Moment auch schon einen Tweet verfasst, ein Bild geliked oder eine Online-Petition unterschrieben. Häufig wird derartiges Engagement auch als Slacktivismus bezeichnet – zusammengesetzt aus dem Englischen „Slacker“ für Faulpelz und Aktivismus: Die eigene Meinung kundtun, sich beteiligen und so gemütlich vom Sofa aus, das eigene Gewissen beruhigen. Facebook bietet sogar die Möglichkeit, das eigene Profilbild mit einem Klick mit dem entsprechenden Anlass zu versehen. Diesen Trend konnten wir erst unlängst mit den zahlreichen #stayathome Profilbildern während der Corona-Krise wahrnehmen.

Hashtags, die bewegen

Häufig sind Proteste in den Sozialen Medien nicht langlebig und verschwinden nach kürzester Zeit wieder von den jeweiligen Plattformen und damit aus den Köpfen der meisten Nutzer. Aber es gibt auch Aktionen, die Veränderungen antreiben und zu weltweiten sozialen Bewegungen werden. Dabei sind Hashtags heute häufig das, was politische Slogans noch vor einigen Jahren waren. Wer Unterstützer generieren will, braucht ein Schlagwort, mit dem die zentrale Idee der Bewegung kurz und prägnant auf den Punkt gebracht wird. Unter den Hashtags können sich Bürger im Netz schnell und leicht organisieren, diskutieren und Aufmerksamkeit generieren.

Wie Hashtags unsere Welt verändern

Twitter ist jene Plattform, auf der gesellschaftspolitische Diskussionen häufig ihren Anfang nehmen. Nicht umsonst veröffentlicht das Unternehmen regelmäßig die Hashtag-Debatten des Jahres. Und was als Online-Diskurs beginnt, wird plötzlich oft auch in der Offline-Welt präsent.

#JeSuisCharlie

Unmittelbar nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo, erreichte #JeSuisCharlie weltweite Aufmerksamkeit. Mit dem Hashtag bekundeten Social Media-Nutzer ihre Solidarität mit den Opfern. Gleichzeitig wurde damit aber auch eine weitreichende Diskussion zu Themen wie Pressefreiheit und Islamismus entfacht. #JeSuisCharlie führte zudem zu zahlreichen Versammlungen in der Offline-Welt. Leute wurden mobilisiert und nahmen an Solidaritätskundgebungen an öffentlichen Plätzen teil.

#metoo

Die MeToo-Bewegung entstand 2017 auf Twitter, nachdem die Schauspielerin Alyssa Milano dazu aufrief den Hashtag #metoo unter Beiträge zu setzen, wenn man selbst schon einmal Opfer von sexueller Belästigung wurde. Der Hashtag wurde seither millionenfach in den sozialen Netzwerken verwendet. Zahlreiche Frauen aus der Film- und Fernsehindustrie machten ihre Erlebnisse publik und ermutigten damit auch andere Frauen, ihr Schweigen zu brechen. Durch den Hashtag wurde die Gleichberechtigungsdebatte weltweit neu entfacht. Auch Offline erzielte #metoo Wirkung, etwa durch eine neue Richtlinie zur Verhinderung von sexueller Belästigung an Filmsets oder der Verhaftung und Verurteilung des Filmemachers Harvey Weinsteins.

#BlackLivesMatter

Der 2013 als Reaktion auf den tragischen Tod eines afroamerikanischen Jugendlichen initiierte Hashtag, erlebt aktuell wieder globale Beachtung. Was 2013 als spontaner Aufschrei der Empörung begann, ist heute zu einer strukturierten Bürgerbewegung geworden. Durch die Initiierung von Protesten und Kundgebungen, setzt sich die Bewegung aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Die weitreichende Popularisierung von #blacklivesmatter reicht heute sogar bis in die Programmplanung von Netflix, wie etwa in der Produktion der rassismuskritischen Serie „Dear White People“ zu sehen ist. Auch zahlreiche Unternehmen positionierten sich im Zuge der jüngsten Ereignisse von Minnesota gegen die Diskriminierung von Minderheiten. Twitter verpasste seinem offiziellen Profil ein schwarzes Titelbild und verwendete in der Beschreibung den Hashtag #BlackLivesMatter. Auch der Sportartikelhersteller Nike ließ durch einen neuen Werbespot aufhorchen und setzte damit ein Zeichen gegen Rassismus. Die Dating-App „Grindr“ löschte die Filterfunktion „Ethnie“ und begründete diesen Schritt mit Solidarität zur Black Lives Matter-Bewegung.

Eines ist klar: Hashtag-Aktivismus ist eine neue Form des Protests und kann wichtige Themen verstärkt in das öffentliche Bewusstsein rücken. Das Erfolgskonzept liegt vor allem darin, eine Botschaft online zu verbreiten und die Offline-Mobilisierung von Menschen.

Ein weiterer Blogbeitrag zum Thema Hashtag:

Simmi Walia

Simmi
Walia


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