ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

27. 05. 2020

ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

92% der Österreicher fühlen sich laut ikp-Umfrage mit TripleM gut informiert. Jeder Zweite ist allerdings schon Fake News aufgesessen. Kritisch prüfe, wer sich informiere!

Die Medien des ORF (TV und Hörfunk) sind für mehr als acht von zehn Österreichern (81%) die Top-Quelle zur Corona-Information: 59% nutzen ORF-Medien regelmäßig, weitere 23% gelegentlich. Andere österreichische TV- und Radiosender locken nur ein Viertel der Bevölkerung (26%) vor die Geräte. An zweiter Stelle bei der Mediennutzung folgen Online-Tageszeitungen und Magazine, die fast die Hälfte der Befragten (48%) in COVID-19-Zeiten konsumiert. Hier führt, wie auch im Print-Bereich, die Krone mit krone.at (15%), gefolgt von standard.at (13%). Die Online-Ausgaben der Kleinen Zeitung, des Kuriers und OE24.at erreichen vier Prozent der User, TT, Heute und Presse immerhin noch drei Prozent. Ex Aequo auf Platz zwei mit Onlinemedien liegt kein klassisches Medium, sondern mit einer Nutzung von ebenfalls 48 % bereits Facebook. Der dritte Platz geht gleichauf an Puls4 und Websites von öffentlichen Stellen wie Ministerien, die 43 % zumindest gelegentlich besuchen, um sich zu informieren.

 

Kein Stockerlplatz für Print

Printmedien, egal ob Tageszeitungen oder Magazine, werden während des Lockdowns nur von einem Drittel (34%) der Bevölkerung gelesen. Männer liegen hier mit 37% leicht über dem Durchschnitt. Auffällig ist der unterschiedliche Printmedienkonsum nach Altersgruppen: Personen, die über 50 Jahre alt sind, greifen weitaus häufiger zu gedruckten Medien. Die Kohorte 50+ liest Print zu 51 Prozent. In der Printmedienlandschaft hat wie auch vor Corona die Krone mit 13% Nutzung die Nase deutlich vorn – gefolgt von der Kleinen Zeitung, Heute und dem Kurier mit je drei sowie Österreich, dem Standard, der Presse und dem Profil mit je zwei Prozent.

 

Über die Hälfte nutzt Facebook als Quelle

Die sozialen Medien haben rund um die Corona-Information einen fast gleich hohen Stellenwert wie klassische Medien: Allen voran steht Facebook, das fast von der Hälfte der Bevölkerung (48%) als Informationsquelle genutzt wird – und das fällt mit zunehmendem Alter auch nur leicht ab. Instagram nutzen 24 Prozent gesamt, das Publikum ist hier deutlich jünger (33% der unter 30-Jährigen). Immerhin neun Prozent nutzen auch Influencer, um sich zu Corona zu informieren. Namentlich genannt wurde einige Male Oliver Pocher, der sich mit seiner eigenen Corona-Erkrankung und neu gestartetem Programm auf seinem Instagram Channel bemerkbar machte. Mit sieben Prozent bildet Twitter das Schlusslicht.

Ein weiterer wichtiger Informations-Umschlagplatz für Österreicher ist das soziale Umfeld: Corona ist in aller Munde und es findet generell ein reger Austausch in Familien und Freundeskreisen dazu statt. 83% geben Infos häufig oder regelmäßig an Familie und Freunde weiter, umgekehrt erhalten 79% Informationen zurück.

 

Boulevard führt zu schlechterem Informationsgefühl

Fast ganz Österreich (92%) hält sich für gut informiert, am besten die Altersgruppe 50+ (94%).
Interessant ist der Zusammenhang mit dem subjektiven Informationsgefühl: Unter jenen Rezipienten, die sich sehr gut informiert fühlen, nutzen 70% regelmäßig ORF-Medien, unter den subjektiv nicht gut Informierten sind es nur 33%.

Hier zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen subjektivem Informationsgefühl und der Nutzung von Qualitätsmedien wie standard.at versus Boulevardmedien wie krone.at und heute.at: Wer sich schlecht informiert fühlt, konsumiert zum Beispiel nicht den Standard, dagegen werden krone.at und heute.at unabhängig davon geklickt, wie gut informiert sich Rezipienten fühlen. Unter jenen, die sich schlecht informiert fühlen, liegt die Nutzung der Print-Krone sogar über dem Durchschnitt. Das belegt die Verkaufsstrategie des Boulevards – mit Mechanismen von Übertreibung, Skandalisierung und dem Säen von Zweifeln Leser und Klicks zu generieren.

 

Jeder zweite bereits Fake News aufgesessen

Mehr als die Hälfte der Österreicher (55%) gab außerdem an, im Rahmen von Corona bereits auf Falschmeldungen hereingefallen zu sein, unter den Jüngeren waren es sogar fast drei Viertel (73%). Die Inhalte dieser Fake News waren zumeist Falschinfos zu den Maßnahmen (37%) – darauf folgten aber bereit an zweiter Stelle Verschwörungstheorien (19%), Falschangaben zum Virus (17%) und zu Heilmitteln bzw. Impfungen (12%).

Fazit: Sich genau über seine Quelle zu informieren, bevor man sich über vermeintliche Fakten informiert, sollte selbstverständlich sein. Welches Medium (oder welcher Autor/Freund/Bekannte) hat welchen moralischen Kompass? Wie sieht es mit ethischem Verantwortungsgefühl aus? Trau, schau, lies, heißt die Devise – mit Qualitätsmedien fährt man sicherlich besser als mit Facebook-Posts unbekannter Absender. Das klassische Journalistenprinzip „check, recheck, doublecheck“ anzuwenden, was Quellen und Fakten betrifft, kostet zwar Zeit, aber man wird damit belohnt, sich Verunsicherungsmechanismen gar nicht erst auszusetzen.

 

Eckdaten zur ikp-Studie

  • Thema: Kommunikation und Information zur Corona-Situation in Österreich
  • Zielgruppe: Österreichische Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren
  • Stichprobe: n=1.007 Interviews, Quoten auf Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland
  • Methode: Online- Befragung anhand des Bilendi-Panels
  • Sicherheit der Ergebnisse (max. Schwankungsbreite): +/- 3,2%
  • Erhebungszeitraum: 09. April bis 16. April 2020
  • Durchführendes Institut: TripleM Matzka Markt- und Meinungsforschung KG
  • Studienleitung: Christina Matzka

 

Zur Umfrage und Stichprobe

  • Von 09. bis 16. April wurden insgesamt 1.007 Personen repräsentativ für die österreichische Bevölkerung zwischen 15 und 74 Jahren zum Thema Kommunikation und Information zur Corona-Situation online befragt.
  • 54% der Befragten sind berufstätig:
    • 23% sind wie bisher im Job, 9% arbeiten ihre gesamte Arbeitszeit im Homeoffice, 3% sind selbständig
    • 12% sind in Kurzarbeit (entweder am Arbeitsplatz oder im Homeoffice)
    • Die restlichen 7% sind im Urlaub, freigestellt oder in Sonderbetreuungszeit
  • Von den 44% nicht Berufstätigen sind:
    • 12% arbeitssuchend, davon über die Hälfte (58%) erst aufgrund der Corona Krise, mit einem Peak bei den 30-50-Jährigen
    • 19% in Pension, 5% im Haushalt/in Karenz
    • 8% in Ausbildung

 

Alle Informationen zu den Studienergebnissen finden Sie hier: MM_182_ikp_Corona_Bericht_20200430

 

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

 

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