Journalismus und PR: Eine Hassliebe

08. 03. 2018

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass sich PR und Journalismus feindselig gegenüberstehen. Wir klären es auf.

Qualitätsjournalisten sehen sich legitimerweise als Hüter der objektiven Berichterstattung und vierte Gewalt im Staat – und mögen daher angeblich PR-Profis nicht sonderlich gerne. Ein Gerücht, das tief verwurzelt ist und sich über Jahre manifestiert hat. Die Behauptung, dass die PR nur die Reputation des jeweiligen Kunden im Kopf hat und mit allen Mitteln und Tricks – koste es, was es wolle – das positive Bild des Unternehmens wahren will, hält sich ebenso hartnäckig. Und während sich die zwei Bereiche nach außen hin oftmals trotzig anschweigen, werden hinterrücks von schwarzen Schafen beider Branchen Geschenke getauscht und auch gerne angenommen. Inkorrekt, ethisch verwerflich und ein No-Go. Wertschätzung – ja bitte, Freunderlwirtschaft – nein, danke. Dass Public Relations und Journalismus auf professioneller Ebene sehr wohl ethisch korrekt und zum Nutzen beider Seiten zusammenarbeiten können und auch in gewissem Maße in gegenseitiger Abhängigkeit stehen, wird leider oftmals vergessen.

Journalism Relations?

Journalisten ist es besonders wichtig ihre Unabhängigkeit zu wahren. Wenn Journalisten ausschließlich und eins zu eins die Inhalte der PR übernehmen, würden Qualitätsmedien schon bald ihre Glaubhaftigkeit verlieren. Selektieren ist wichtig, das ist klar. Allerdings ist die journalistische Branche sehr wohl von den Inhalten der PR abhängig. Wo sonst beziehen Journalisten ihre ersten Informationen her, wenn nicht oftmals direkt aus Kommunikationsangeboten wie Pressekonferenzen oder Presseaussendungen? Für Journalisten ist es aus Zeit- und Ressource-Gründen nahezu unmöglich, jede technische Innovation oder Personaländerung proaktiv im Auge zu behalten. PR-Profis liefern den Journalisten jene Basisinfos, die sie für ihre Meldungen brauchen. Und benötigen die Journalisten weitere Details, dann ist die erste Ansprechperson wiederum der Kommunikationsbeauftragte des Unternehmens oder der Organisation.

Erste Informationsquelle im Journalismus

Die Jagd nach News wird den Journalisten oftmals erspart, wenn die PR ihnen die ersten Inputs liefert und als Informationsquelle dient. PR-Kritiker sind der Meinung, dass Public Relations die journalistische Arbeit erschweren, indem nur ausgewählte, tendenziell positive Informationen preisgeben und Negatives verschwiegen wird. Sie behaupten, dass PR-Leute den Journalisten die Arbeit erschweren, indem sie versuchen, die Veröffentlichung von ungewünschten Informationen zu verhindern. Es liegt am Journalisten, die von Seiten der PR kommende Informationen abzuwiegen und objektiv aufzubereiten, dass sie für die Leserschaft relevant und interessant sind.

PR muss Bedürfnisse der Medien kennen

In dem gegenseitigen Wechselspiel braucht die PR aber auch Journalisten. Der direkte Medienzugang durch die Journalisten ist für die Public Relations die Schnittstelle zu einem Teilbereich der öffentlichen Meinung. Journalisten bilden Meinungen, die oftmals von der breiten Masse übernommen werden. Ohne die Multiplikation der Presseaussendungen durch die Medien wäre die Reichweite der PR-Inhalte stark begrenzt. Somit liegt es an der PR die Inhalte so aufzubereiten, dass Journalisten diese gerne übernehmen und weiterverbreiten. Für PR-Profis ist es daher wichtig, sich in Journalisten hinzuversetzen. Welche Themen sind für welchen Journalisten relevant, was zählt zu seinen/ihren Spezialbereichen? Welche Presseevents werden gerne besucht? Welche News Values werden angesprochen?

PR braucht Medien und umgekehrt

Das Unternehmen, das kommunikativ vertreten wird, kann die Welt verändern – und es wird niemand erfahren, wenn niemand darüber berichtet. Und wenn keine News kommuniziert werden, kann nichts berichtet werden. Wenn sich beide Seiten der Wichtigkeit der jeweils anderen bewusst sind und einander mit Respekt begegnen, steht einer reibungslosen Zusammenarbeit nichts mehr im Weg.

Fotocredit (c): Jean Wimmerlin/ Unsplash

Teresa Pichler

Teresa Pichler


Weitere Neuigkeiten

Smarte Kommunikation für smarte Produkte

Smarte Kommunikation für smarte Produkte

21. 06. 2018

Dirk Geigis von Somfy Österreich erklärt im Interview mit ikp Wien, wie Kommunikation für smarte Produkte wie das Smart Home aussehen soll.

mehr lesen
Das Beste aus beiden Welten verbinden

Das Beste aus beiden Welten verbinden

19. 06. 2018

Was kann ein Online-Magazin, was ein Printmagazin nicht kann? Und wann ist die gedruckte Kundenzeitung von Vorteil?

mehr lesen
bellaflora & ikp: Beflügelnde Kampagne zum Schutz der Schmetterlinge

bellaflora & ikp: Beflügelnde Kampagne zum Schutz der Schmetterlinge

14. 06. 2018

Um die Aufmerksamkeit über das Schmetterlingssterben zu erhöhen haben ikp Wien und bellaflora eine Kampagne ins Leben gerufen – mit an Bord auch die ÖBB ...

mehr lesen
Wenn Familienfreundlichkeit wirtschaftlich ist

Wenn Familienfreundlichkeit wirtschaftlich ist

13. 06. 2018

ikp Vorarlberg gewinnt zum zweiten Mal den Staatspreis „Familienfreundlichster Betrieb“ und zeigt der Branche damit einen anderen, erfolgreichen Weg. Zugegeben: Work-Life Balance und Vereinbarkeit von ...

mehr lesen
B2B: Die unterschätzte Kommunikation

B2B: Die unterschätzte Kommunikation

07. 06. 2018

Neue Technologien und schneller Informationszugang ändern die Art der Kommunikation. Und das nicht nur privat, sondern vor allem zunehmend in Geschäftsbeziehungen.

mehr lesen
FUSSBALL-WM 2018 – DAS IKP WM-TIPPSPIEL

FUSSBALL-WM 2018 – DAS IKP WM-TIPPSPIEL

28. 05. 2018

Gleich registrieren, tippen und gewinnen! Am 14. Juni startet die Fußball-Weltmeisterschaft und die ersten 100 WM-Expertinnen und Experten können beim ikp WM-Tippspiel 2018 dabei sein und ...

mehr lesen
nach oben
IKP