Kidfluencer – Meinungsbildner von morgen?!

19. 07. 2020

Kidfluencer – Meinungsbildner von morgen?!

Wo vor einiger Zeit nur Erwachsene oder Teenager ihr Leben, ihr Lieblingsessen oder ihr neues T-Shirt gezeigt haben, tummeln sich im Netz mittlerweile immer mehr Kinder. Kidfluencer-Accounts auf YouTube, Instagram und Co. Ist das schon Kinderarbeit oder nur ein Schrei nach Aufmerksamkeit der Eltern? Und wann bleibt noch Zeit, Kind zu sein?

Kinder stellen auf den Social Media-Kanälen einen riesigen Markt dar. Klar – Entertainment wird immer digitaler und Plattformen wie YouTube stets interessanter. Das gute alte Fernsehen ist schon lange nicht mehr so angesagt, wie Kurzclips auf der Videoplattform – und das nicht nur bei Teenagern. Content für Kinder ist schnell produziert – und Content mit Kindern nicht mehr weit.
Die Darsteller zahlreicher Videos werden immer jünger. Sind die ersten Videos erfolgreich und werden häufig geklickt, ist der Schritt zum passenden Instagram-Kanal schnell gemacht. Et voilà und schon ist der nächste Kidfluencer geboren.

 

Kind + Influencer = Kidfluencer

Kidfluencer sind die Stars von morgen – oder doch schon von heute? Dem Alter sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ob die Minis im Alter von vier Jahren, wie Mikael Slimani (Sohn einer der ersten deutschen YouTuberinnen Dounia Slimani), oder noch gar nicht geboren sind, ist dabei vollkommen egal. Lyan River Wolf, Sohn des deutschen YouTuber- und Influencer-Paares Tobias und Maren Wolf, wird in wenigen Wochen geboren und zählt bereits über 5.000 Abonnenten auf seinem Instagram-Account.

Dass die Eltern und Erziehungsberechtigten auf die Persönlichkeitsrechte des ungeborenen Kindes keine Rücksicht nehmen und dies auch moralisch äußerst fragwürdig ist, erklärt sich von selbst.

 

Familienalbum Social Media

Will ein Kind tatsächlich sein ganzes Leben auf Social Media dokumentiert haben? Möchte es später sehen, dass praktisch die ganze Welt an seinem Heranwachsen beteiligt war? In diesem jungen Alter können Kinder gar nicht wissen, was diese Entscheidung bedeutet. Und wollen Eltern tatsächlich die privaten Bilder ihrer Sprösslinge mit allen Menschen teilen? Klar – Bilder, Videos und Postings erreichen viel mehr Begeisterung, wenn ein Kind der Mama ein Küsschen auf die Wange gibt, mit Papa im Partner-Look abgelichtet wird oder freudestrahlend über eine Blumenwiese rennt. Sind Kinder aber dafür da, Likes zu sammeln?


Nebenjob Kidfluencer

Kinder im Sinne des österreichischen Bundesgesetzes sind Minderjährige bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres. Nach Abschluss der neunten Schulstufe ist es Jugendlichen in Österreich erlaubt zu arbeiten. Doch genaue Regeln für die Arbeit von Kindern auf Social Media gibt es nicht. Klar geregelt sind hingegen die Gesetze für die Verwendung und Beschäftigung von Kindern bei öffentlichen Schaustellungen in Österreich.

Der §6 des Gesetzes besagt, dass Kinder sehr wohl mitarbeiten dürfen, wenn der zuständige Landeshauptmann es unter bestimmten Auflagen erlaubt. „Arbeitszeiten“ von 8 bis 23 Uhr und erst nach dem Unterricht sind dabei strikt einzuhalten. Ebenso zwei Stunden Ruhezeit nach dem Vormittags- und eine Stunde nach dem Nachmittagsunterricht. Das gilt so allerdings nur in Österreich. Diese Ausnahmeregelungen dürfen aber bei den meisten Starts der Netz-Szene bezweifelt werden.

Aber halten sich Kinder und insbesondere Eltern daran? Auf Kanälen wie Ryan’s World wird das deutlich: Dem amerikanischen Jungen folgen auf YouTube 25,6 Millionen Menschen. Er ist dabei der bestbezahlte YouTuber weltweit – und das mit acht Jahren.

 

Freizeit = Drehzeit

Nach einer intensiven Schulwoche noch Content für Videoplattformen drehen bevor das Wochenende beginnt. Für erfolgreiche Kidfluencer wie Ryan’s World ist das der ganz normale Alltag. Aber zählt das schon zu Kinderarbeit, insbesondere wenn die Eltern für die veröffentlichten Videos das Geld kassieren? Ist es kein Fulltimejob, wenn die Kleinsten Produkte in die Kamera halten und dabei Werbung für Bücher, Shampoo oder Spielsachen machen? Warum ist das von Erwachsenen zu kennzeichnen, zu versteuern und von Kindern nicht? Wann bleibt Zeit, Kind zu sein?

Influencerin Toyah Diebel startete im Februar 2020 eine Petition, dass es auch für Minderjährige Regeln auf Social Media geben muss. Damit brachte sie eine deutschlandweite Debatte ins Rollen: Wann ist es noch Spaß und Hobby für die ganze Familie und ab wann spricht man von Kinderarbeit?

 

Unser Senf dazu

Kinder, die Partnerin oder der Partner gehören für viele genauso zum eigenen Leben in den Social Media-Kanälen dazu wie Haustiere oder Freunde. Einige möchten ihre Vorfreude auf den Nachwuchs oder ihren Stolz, Mama oder Papa zu sein mit der Community teilen. Die vielen Likes und begeisterten Kommentare beflügeln regelrecht, noch mehr zu posten. Aber ist es fair, sein Kind mit Absicht in ein öffentliches Leben zu drängen? Sollte das nicht jede und jeder schlussendlich für sich selbst entscheiden? Meinungen dazu gibt es wie Sand am Meer: Von „Nein, die Kinder sollen komplett von Social Media ferngehalten werden“ über „Ich zeige meinen Nachwuchs nur ohne Gesicht“ bis hin zu „Klar, meine Kinder gehören zu mir. Sie sind präsent“.

Natürlich sind Bilder, die den Familenurlaub dokumentieren, etwas ganz anderes als eigens für die Kleinen angelegte Accounts. Oder gar Videos, in denen Mädchen und Jungen ihre Kinderzimmer zeigen und Werbung für das neue Bett oder Spielzeug machen. Generell müssen alle Erziehungsberechtigten selbst entscheiden, ob sie ihren Nachwuchs online zeigen oder zu Schau stellen. Nur bitte immer die Auswirkungen im Hinterkopf behalten – das Internet vergisst niemals. Auch als Unternehmen: Unterstützen wir tatsächlich einen solchen Account oder diesen Auftritt? Oder nehmen wir uns zurück und konzentrieren wir uns eher auf die Mütter und Väter, anstatt auf die Kidfluencer?

 

Wer noch mehr will

Madlen Dürr

Madlen
Dürr


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