Mediennutzung von Jugendlichen am Prüfstand

20. 02. 2019

Mediennutzung von Jugendlichen am Prüfstand

Wer glaubt, die Jugendlichen im Alpenland schauen nur stupide in ihr Smartphone, der irrt. Eine kürzlich vorgestellte Studie der FH Campus Wien zeigt die Mediennutzungsgewohnheiten der 16- bis 29-Jährigen. Die Erkenntnisse sind erfreulich, denn: Jugendliche konsumieren Medien kritisch!

Die Studie „Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im VOD-Zeitalter“ des Instituts für Jugendkulturforschung der FH Campus Wien im Auftrag der RTR ist ein wahrer Richtungsweiser, worauf sich Vertreter der Medien- und Kommunikationsbranche künftig fokussieren sollten.

Abkehr von klassischem Fernsehen

Betrachtet man Österreich im Gesamten, kann klassisches Fernsehen noch gemütlich die Beine hochlegen, denn mehr als 60 Prozent nutzen es täglich. Jugendliche zwischen 16 bis 29 Jahren entfernen sich aber zusehends von der „Feuerstelle der Nation“, wie Studienautor Mag. Wolfgang Tomaschitz die abendliche Versammlung vor dem (linearen) Fernseher bezeichnet. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch die jüngst veröffentlichte JIM-Studie. Jüngere, formal besser gebildete Personen in Städten nutzen heute aber fast ausschließlich Video-on-Demand-Angebote (VOD-Angebote) wie Netflix und Amazon Prime. Bei Personen im ländlichen Raum vollzieht sich der Wandel etwas langsamer aber dennoch beständig.

Smartphone, Tablet oder doch TV?

Der Prozess der Ablösung von klassischem TV wird sich beschleunigen sobald die meisten Haushalte dafür technisch richtig ausgestattet sind. Das ist derzeit noch nicht der Fall. Die überzeugendsten Argumente für VOD-Angebote sind mehr Wahlfreiheit und Kontrolle über den Inhalt, sprich: Der Konsument entscheidet, wann er welches Angebot auf welchem Device sehen will. Zudem gibt es eine größere Auswahl, sowie viel neues und auch fremdsprachiges Angebot. Klassisches Fernsehen hat laut der Studie nur noch einen klaren Vorteil: Live-Übertragungen von Events wie Fußball, Ski & Co.

Konstant hohe Nutzung seriöser Medien

Good news gibt es für die Nutzung von Nachrichten: Junge Personen rufen Nachrichten über unterschiedlichste Kanäle ab. 47,7 Prozent der unter 30-Jährigen lesen oder hören täglich Nachrichten. Dabei vertrauen sie selten auf Berichte in sozialen Medien, sondern greifen lieber auf anerkannte Medien wie ORF.at und seriöse Tageszeitungen zurück. Die österreichische Jugend ist also kritisch und unterzieht konsumierten Informationen einem Faktencheck.

Youtuber dolmetschen

Interessant ist auch, dass YouTuber und Vlogger immer öfter klassiche journalistische Funktionen einnehmen und als Dolmetscher und Gatekeeper fungieren. Sie selektieren vorab und übersetzen Nachrichten für die junge Zielgruppe. 24 Prozent aller Personen unter 30 Jahre folgen regelmäßig YouTubern und Vloggern. Die Inhalte und Sprache der offiziellen Nachrichtenwelt werden im Vergleich dazu als eher kühl, sachlich und terminologisch wahrgenommen.

Fazit: Die Ergebnisse der Studie sind Anlass zur Freude und gleichzeitig ein solides Fundament, auf das die Kommunikations-, PR- und Medienwelt seine künftigen Strategien bauen kann.

Die gesamte Studie ist hier einsehbar.

 

Titelbild von Matheus Ferrero bei Unsplash.

Lisa Kolb

Lisa-Maria
Kolb


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