Mehr Sein als Schein – Ja bitte! zu gelebter Vielfalt und echter Diversity

08. 02. 2022

Mehr Sein als Schein – Ja bitte! zu gelebter Vielfalt und echter Diversity

Themen wie Nachhaltigkeit, Gleichberechtigung, Chancengleichheit stehen medial immer wieder im Fokus. Viele Unternehmen und Organisationen greifen diese auch in ihrer Kommunikation auf. Ein vorübergehender Trend oder echte Verbundenheit? Dazu haben wir Journalistin, Aktivistin & Creator Naomi-Saphira Weiser, auch bekannt als Imoan Kinshasa, interviewt.

 

Was ist deine Definition von einem diversen Arbeitsumfeld?

In einem diversen Arbeitsumfeld beschäftigt man sich stetig mit seinem Weltbild und hinterfragt sich und sein eigenes Wissen ständig. In diesem Arbeitsumfeld werden Menschen nicht aufgrund ihrer Marginalisierung angestellt um eine „Rolle“ zu erfüllen, sondern aus Wertschätzung. Bei der Kommunikation ist es wichtig bei seinen Botschaften zu bleiben.

 

Immer wieder greifen Unternehmen in ihrer Kommunikation gesellschaftlich relevante Themen auf. Wie siehst du das? Sind das ernst gemeinte Solidaritätsbekundungen oder nur Versuche mit aktuellen Trendthemen auf sich aufmerksam zu machen?

Die meisten Unternehmen springen leider nur auf einen Trend auf. Das merkt man daran, dass sobald dieser vorüber ist, sich die Kommunikation wieder auf das nächste Thema stürzt. Wenn ein Unternehmen gewisse Werte in den Mittelpunkt rücken möchte, dann bitte nur wenn man weiß, was diese bedeuten. Es wäre ziemlich unglaubwürdig, wenn man sich z.B. gegen die Ausbeutung Schwarzer Menschen einsetzt, aber ein Produkt der Firma unter eben diesen Konditionen hergestellt wird. Bestenfalls findet man betroffene Expert*innen zu den jeweiligen Themen und lässt sich beraten. So lassen sich grobe Fehler vermeiden.

 

Was kann man tun, um die Kommunikation zu solchen Themen glaubwürdig zu machen?

Man sollte schon daran glauben, was man an andere kommunizieren möchte, sich mit diesen Themen beschäftigen und an seinen eigenen Vorurteilen arbeiten. Weiters gilt es standhaft zu bleiben und dieselben Botschaften nach innen, wie nach außen zu kommunizieren. Außerdem sollten Betroffene selbst die Möglichkeit bekommen über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Hast du ein Beispiel für ein Unternehmen, bei dem das gut funktioniert?

Ich habe mich immer bei VICE Media sehr gut aufgehoben gefühlt und hatte zu jeder Zeit das Gefühl in einem geschützten Raum zu sein, in dem ich mich entfalten kann. Nach einem rassistischen Übergriff in den Öffis bot man mir zum Beispiel an auf Kosten des Arbeitsgebers eine Zeit lang mit dem Uber in die Arbeit zu fahren. Das nahm mir den Druck, morgens in die U-Bahn steigen zu müssen mit der Angst, dass solch eine Situation nochmal passiert. Das ist das konkrete Handeln von dem ich immer spreche. Wenn es ein Problem gibt, sucht man nach einer gemeinsamen Lösung, die für alle passt.

 

Alles beginnt mit den Führungskräften. Wie können diese mit einem guten Beispiel vorangehen?

Führungskräfte sollten Haltung zeigen und offen über ihre Fehler und Vorurteile sprechen. Weiters wäre es ratsam diesen Prozess gemeinsam durchzulaufen, unabhängig von der Position im Unternehmen.

 

Was tun, wenn der Fehler bereits passiert ist? Das Thema wird medial aufgegriffen, in den Weiten des Internets braut sich ein Shitstorm zusammen. Wie kann bzw. sollte man damit umgehen, ohne dabei seine Glaubwürdigkeit zu verlieren?Die meisten Unternehmen machen den

Fehler sich sofort verteidigen zu wollen. Zum Beispiel ein Statement in Richtung „Wir haben mit Rassismus nichts am Hut“ rauszuschleudern. Das ist aber kontraproduktiv. Betroffene wissen, dass darauf kaum Konsequenzen folgen. Wer so agiert, disqualifiziert sich. Zielführender wäre es den Fehler einzugestehen, sich zu entschuldigen und zu erklären, wie man weiter mit der Situation umgehen möchte. Wenn es notwendig ist jemanden zu kündigen, dann sollte das auch kommuniziert werden. Wenn man Mitarbeiter*innen nachschulen muss, ebenso. Meine Empfehlung: Zeigen Sie den Betroffenen, wie wichtig es Ihnen ist aus der Situation zu lernen. Sollte das schwerfallen, lassen Sie sich beraten. Gerne stehe ich Ihnen zur Seite um adäquate Lösungen für Ihr Problem zu finden.

 

Naomi-Saphira Weiser: Die gebürtige Bayerin ist vor über zehn Jahren nach Österreich gekommen und hat Hotelmanagement studiert. Ihre Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen hat ihren Werdegang stark geprägt und obwohl sie zunächst nicht vorhatte, den Beruf der Journalistin zu ergreifen, führte ihre Karriere dennoch in die Redaktionen von VICE und „Augustin“, wo sie über Themen wie Rassismus, Chancengleichheit und psychische Gesundheit berichtete. Seit 2020 arbeitet sie als freiberufliche Beraterin im Krisenmanagement, organisiert Workshops und berät in puncto Darstellung von Minderheiten.

 

Titelbild Copyright: Langbein & Partner

 


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