Netzkultur = Hetzkultur? Wandel der Onlinekommunikation

14. 10. 2016

Netzkultur = Hetzkultur? Wandel der Onlinekommunikation

Mehr als 260 Social Media Plattformen eröffnen uns zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten mit Usern. Doch damit verbundene Risiken schreiben auch die Regeln für die „richtige“ Onlinekommunikation neu.

Die heutige Netzkultur bringt sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Online-Kommunikationsarbeit – davon ist auch Lena Doppel, Digital Strategist, Geschäftsführerin von „cat-x media“ und New-Media-Trainerin, überzeugt: „Einerseits kann man über Social-Media-Kanäle Menschen viel direkter erreichen als über den Filter der traditionellen Medien. Andererseits sprechen diese Personen auch direkt zurück. Das ist am Anfang ungewohnt, gerade weil hier viel ungefilterte Meinung auf ein Unternehmen zukommt – Meinungen, mit denen man zuvor noch nicht konfrontiert war.“ Inhalte, die User selbst erstellen, können nur begrenzt von Unternehmen kontrolliert werden. Trotzdem ist es die falsche Herangehensweise, sich deshalb von interaktiven Online-Plattformen fernzuhalten, bedenkt man die Möglichkeiten, die durch solche eröffnet werden.

Sattelfest durch stürmische Zeiten
Durch die Anonymität mit der man sich im Internet bewegt, ist auch der „Shitstorm“, also das stürmische und plötzliche Auftreten negativer Kritik, in das Aufgabenfeld von PR-Fachleuten gerückt. Ein Unternehmen hat dabei wenig Einfluss auf einen losbrechenden Shitstorm. „Bei einem Shitstorm gilt oft: mitgefangen, mitgehangen“, so Lena Doppel. „Man sollte auf keinen Fall in Panik geraten, sondern versuchen, möglichst klar und vor allem schnell zu reagieren.“ Wichtig sei es auch, um etwas Zeit zu bitten, um ein Thema intern aufklären zu können. „Dann muss man aber seriös und solide kommunizieren, sonst verschiebt man nur den Zeitpunkt der Krise.“

PR als Drahtseilakt
Instinktiv möchte man einen Shitstorm natürlich verhindern. Es gibt aber auch Situationen, in denen man einen solchen für sich nutzen kann. Bei einem sogenannten „kalkulierten Shitstorm geht es darum, mit besonders Aufsehen erregenden Maßnahmen in die (Medien-)Öffentlichkeit zu gelangen. Dass solche Aktionen viel Mut und Risikofreude erfordern, weiß auch Lena Doppel: „Solange die Absicht dahinter nicht zu schnell auffliegt, ist das eine geniale Maßnahme. Wenn es aber doch rauskommt, kann es auch nach hinten losgehen und zu einem echten Shitstorm gegen das Unternehmen werden.“

Daniela Gissing

Daniela
Gissing


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