Plötzlich Krise – Thomas Habermann im Interview

17. 10. 2017

Plötzlich Krise – Thomas Habermann im Interview

Im Frühjahr 2016 war das Recyclingunternehmen Häusle in Vorarlberg landesweites Gesprächsthema. Ein schwerwiegender Vorwurf stand im Raum: Der Betrieb habe jahrelang nicht-bescheid konform Müll deponiert. Vor welchen Herausforderungen Geschäftsführer Thomas Habermann stand, verrät er im Interview.

Sie waren im März 2016 erst vier Monate als Geschäftsführer tätig und kamen zu den Vorwürfen wie die „Jungfrau zum Kind“. Wie reagiert man als neuer Geschäftsführer, wenn ein Krisenszenario tatsächlich eintritt?

Thomas Habermann: Das stimmt, ich wurde im Dezember 2015 Häusle-Geschäftsführer und die im März 2016 erhobenen Vorwürfe stammten aus der Zeit vor mir. Ich musste mir also selbst erst ein Bild machen, was nicht so einfach war, denn zeitgleich mussten wir reagieren. Es gab ein Krisenhandbuch, in dem dieses Szenario allerdings nicht erfasst war. Also richtete ich einen Krisenstab ein. Wichtig war vor allem die Kommunikation nach innen und außen. Als beratende Agentur war ikp Vorarlberg bereits für die Kommunikation bei Häusle verantwortlich und darum auch von Anfang an dabei. In Absprache mit dem Krisenstab war uns wichtig, dass wir mit unseren Mitarbeiter/innen, Stakeholdern wie Gesellschafter, Lieferanten, Nachbarn, Kunden, Behörden und der Öffentlichkeit proaktiv kommunizieren, um die Informationsführerschaft in der Hand zu behalten. Vor allem war die Kommunikation mit den Mitarbeiter/innen essenziell, um Ängste zu nehmen und sie aus erster Hand über alle Neuigkeiten zu informieren. Denn nichts ist Schlimmer, als nicht vom Chef informiert zu werden. 

Das stellt man sich sehr turbulent vor. Wie hält man da noch alle Fäden in der Hand?

Thomas Habermann: Das kann man wohl sagen. Wir mussten auf vielen Ebenen sehr schnell höchst professionell agieren und reagieren. Dabei war und ist es wichtig, Menschen im Umfeld zu haben, auf die man sich verlassen kann. Wir hatten Experten um uns, die wortwörtlich rund um die Uhr erreichbar waren und gearbeitet haben. Uns selbst war es ein Anliegen, alles aufzudecken, was in der Vergangenheit passiert war. Wir waren von uns aus aktiv, bestellten beispielsweise Gutachten und stellten selbst Nachforschungen an, um diese Altlasten aufzudecken.

Bei solchen Ereignissen wird schnell spekuliert und Gerüchte entstehen. Konnten Sie dem vorbeugen?

Thomas Habermann: Von Anfang an war klar: Wir legen alle Fakten auf den Tisch. Ohne Wenn und Aber kommunizieren wir proaktiv und transparent, um Spekulationen keinen Raum zu lassen. Das bedeutete auch: Sobald wir selbst Neuigkeiten z. B. über Ablagestellen, erfuhren, informierten wir unverzüglich unsere Mannschaft und dann in einer Pressekonferenz oder mittels Presseinformation die Medien, um so die Themenführerschaft in den Händen zu behalten. Uns selbst war es ein Anliegen, alles aufzudecken, was in der Vergangenheit passiert war. Zumal wir ja zu dieser Zeit bereits längst alle Wertstoffe ökologisch sinnvoll und damit enkeltauglich verarbeiten. Unsere Strategie trug Früchte, denn die Medienvertreter bauten Vertrauen zu uns auf.

 Rückblickend: Hätte man etwas anders machen können?

Thomas Habermann: Wenn ich so darüber nachdenke und mit Leuten spreche, muss ich sagen, haben wir das Maximum an Möglichkeiten ausgeschöpft. Sei es in der Kommunikation mit Mitarbeiter/innen, den Stakeholdern oder unsere Kunden. Ich habe den Krisenfall immer als Chance gesehen: Wir sind nun das bestuntersuchte Recyclingunternehmen Österreichs. Wer kann das schon von sich behaupten?

Häusle Krise

Häusle-Geschäftsführer Thomas Habermann.

 

 

Bildquellen: Christian Jungwirth und Häusle (Beitragsbild)

Martin Dechant

Martin
Dechant


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