Pressefreiheit: Ein trauriges Resümee

03. 05. 2018

Pressefreiheit: Ein trauriges Resümee

Reporter ohne Grenzen hat die Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Die Lage hat sich in keiner anderen Region so stark verschlechtert wie in Europa.

Rechtzeitig zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat unser Pro Bono Kunde Reporter ohne Grenzen die jährliche Rangliste der Pressefreiheit veröffentlicht. Wenig überraschend ist, dass sich beim ersten Rang (Norwegen) und beim Schlusslicht (Nordkorea) zum Vorjahr nichts verändert hat. Die Änderungen in der Mitte sind da schon um einiges interessanter. Sieben der Top Ten Länder sind nach wie vor europäisch. Jamaica hat es bis auf Rang 6 geschafft, Neuseeland und Costa Rica liegen auf Rang 8 und 10.

Zu wenig Engagement in Österreich

Österreich ist zwar nach wie vor auf Platz 11 von 180 und somit im „weißen“ Bereich, der für eine gute Situation steht. Jedoch können wir den Platz lediglich deshalb unseren nennen, weil es bei den restlichen Ländern Verschiebungen gab. Betrachtet man nämlich die Punktezahl, so hat sich Österreich im Gegensatz zu den Vorjahren sogar verschlechtert. Während der Score 2015 noch bei 10,85 lag, wuchs dieser in den kommenden Jahren kontinuierlich an und liegt in diesem Jahr bei 14,04. Hätte Österreich heute noch die Punktezahl von 2015, so wären wir hinter Finnland auf Platz 5.

Lage in Europa verschlechtert

Kaum zu glauben, dass wir mittlerweile im Jahr 2018 angekommen sind und die Pressefreiheit noch immer ein Streitthema ist. Traurig ist vor allem, dass wir uns in der westlichen Welt derzeit wieder in die falsche Richtung entwickeln. Denn laut Reporter ohne Grenzen hat sich die Lage im Vorjahr in keiner anderen Region so stark verschlechtert wie in Europa. Angriffe auf Journalisten beschränken sich nicht mehr nur auf offen medienfeindliche Länder wie beispielsweise die Türkei (Rang 157) oder Ägypten (Rang 161). Auch in demokratischen Ländern werden sie immer mehr als Gegner wahrgenommen. Bedrohung und Inhaftierung von Journalisten oder im schlimmsten Fall sogar Journalistenmorde – die Entwicklung im Umgang mit Journalisten ist höchst besorgniserregend. In den USA (Rang 45) werden Journalisten vom Präsidenten als Volksfeinde bezeichnet und in Österreich sorgte erst kürzlich ein (verbaler) Angriff auf Armin Wolf für Aufsehen.

Pressefreiheit als Grundpfeiler der Demokratie

Weltweit wurden im Jahr 2017 insgesamt 65 Journalisten getötet, 326 wurden inhaftiert und 54 wurden als Geisel gehalten. Betrachtet man die letzten 15 Jahre, so wurden insgesamt 1035 Journalisten getötet. Wenn schon Regierungen oder gar Präsidenten von Weltmächten nicht für die Pressefreiheit kämpfen, dann müssen wir als PR-Fachleute und als Gesellschaft zumindest mit gutem Beispiel voran gehen und ein Zeichen setzen. Freier, unabhängiger Journalismus ist einer der Grundpfeiler der Demokratie und es ist unser aller Aufgabe genau hinzusehen und von Regierungsmitgliedern die Wahrung und Achtung dieses Grundpfeilers zu verlangen. Viele Journalisten setzen täglich ihr Leben aufs Spiel um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Es wird Zeit, dass wir dieses Opfer würdigen und der Unterdrückung der Pressefreiheit keinen Raum bieten. Es muss Bewusstsein geschaffen werden, dass das Thema Pressefreiheit uns alle betrifft und nicht nur am Internationalen Tag der Pressefreiheit dafür gekämpft werden sollte.

Hier findet man die Rangliste der Pressefreitheit 2018 sowie die Landkarte in einer Grafik.

Christina
Prechelmacher


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