Schöner scheitern: Von der Schuld- zur Lernkultur

24. 10. 2019

Schöner scheitern: Von der Schuld- zur Lernkultur

Zack – und schon wieder daneben. Oft passieren Fehler schneller, als uns lieb ist. Auf dem Weg zur Arbeit, im Büro, auf dem Weg nach Hause. Es folgt betretenes Schweigen, Blick nach unten, Rapport beim Chef. Doch was wäre, wenn wir einfach einmal aufstehen und laut rufen würden: „Faszinierend, ich habe einen Fehler gemacht!“

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Fehler passieren nun mal, sowohl Mitarbeitern als auch Führungskräften. Den Unterschied macht, wie man mit seinen Fehlern umgeht: Vertuschen, bestrafen, tabuisieren oder aber analysieren und daraus lernen. Im Idealfall geht es also nicht darum, wie viele Fehler man macht, sondern was man daraus lernt. Leider scheint diese Botschaft in vielen Unternehmen noch nicht angekommen zu sein. Eine Umfrage von Marketagent zeigt: In Sachen Fehlerkultur gibt es in Österreichs Unternehmen noch einiges an Aufholbedarf.

Was passiert wenn’s passiert ist

In vielen Unternehmen wird statt des Lerneffekts von Fehlern das Strafmaß skaliert. Deshalb ist es kein Wunder, dass wir der unvermeidlichen Schuldfrage lieber ausweichen, anstatt uns zu bekennen. Trauen sich Mitarbeiter nicht, Fehler zuzugeben, weil sie Konsequenzen fürchten müssen, kommen Fehler zum Teil gar nicht zu Tage und richten dadurch meist einen viel größeren Schaden an: So berichten die befragten Österreicher, dass von ihnen verursachte Pannen in den letzten zwölf Monaten den Zeitablauf eines Projekts verzögert (19,3 %), Kunden verärgert (14,4 %) oder den Betriebsablauf gestört (11,9 %) haben.

Sollte einmal ein Missgeschick passiert sein, möchten 9 von 10 Mitarbeiter daraus lernen und dies in Zukunft vermeiden. Und es zeigt sich ein Wandel: Knapp 85 Prozent der Arbeitnehmer können ihren Ausrutscher im Team offen ansprechen. Doch nicht alle Befragten nehmen die eigenen Fehler und ihre Folgen auf die leichte Schulter. Für viele sind derartige Vorfälle mit Sorgen und Bedenken verbunden, Fehler vor Kollegen und Vorgesetzten zuzugeben sowie deren Anerkennung und Respekt oder gar den Job zu verlieren. Während Amerikaner sich darüber freuen, wenn über Fehler gesprochen wird, werden sie in Österreich lieber verleugnet. Fehler? Machen wir nicht.

Fehler machen – Ja bitte?

In den USA sind Fehler längst salonfähig. Airbnb, Amazon, Apple, Google und Co. wären heute sicherlich nicht so erfolgreich, wenn sie Fehler als etwas Negatives ansehen und wie hierzulande allzu oft die Schuldfrage stellen würden. Stattdessen sind sich diese Unternehmen durchaus bewusst, dass aus Fehlern neue Ideen und neue Produkte entstehen können. Sie betrachten Fehler als etwas Positives und sind bereit daraus zu lernen.

So wie das Scheitern in den USA weit weniger negativ belegt ist als in Österreich, ist in vielen amerikanischen Unternehmen auch die Fehlerkultur eine ganz andere. Denn nur wer keine Angst vor Fehlern und ihren Konsequenzen hat, der traut sich, Entscheidungen zu treffen und Experimente zu wagen – der Grundstein für jede Innovation. Statt danach zu fragen, wer den Fehler begangen hat, fragen erfolgreiche Unternehmen, was schiefgelaufen ist und was man für den Erfolg künftig anders machen muss. So entsteht eine ganz andere Haltung im Team, die durch Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist.

Plädoyer für Fehler

Die Erfahrung, einen Fehler zu machen, lässt uns wachsen – als Unternehmen genauso wie als Mensch. Der Prozess ist zwar nicht immer lustig und legt auch eigene Schwächen frei. Aber die Antwort auf die Frage, warum etwas daneben ging, liefert häufig wichtige Impulse. Und genau darum geht es: Fehler nicht negieren, sondern sie als Anlass zur Verbesserung sehen. Eine dementsprechend offene Kultur, die Risiko und Innovation willkommen heißt, bedeutet nicht, dass Fehler herbeigesehnt und an sich positiv sind, sondern dass sie als Mittel zum Zweck dienen – der stetigen Weiterentwicklung.

 

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

 

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Titelbild von patpitchaya bei Shutterstock

Julia Ruff

Julia
Ruff


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