„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

26. 05. 2020

„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

Zukunfts- und Marketingexpertin Theresa Schleicher im Interview über Ängste und Hoffnungen, Prognosen zum Post-Corona-Zeitalter und den Megatrend Konnektivität.

 

Wir nehmen an, als Zukunftsforscherin beschäftigt Sie jetzt schon das Post-Corona-Zeitalter? Was ist dabei Ihre größte Hoffnung und Ihre größte Angst, was gesellschaftliche Veränderungen betrifft?

Schleicher: Im Post-Corona-Zeitalter beschäftigt uns eine wirtschaftlich schwierige Lage. Kleine Unternehmen haben die Zeit nicht überlebt, andere sind am Ende ihrer Kräfte. Und die Post-Corona-Zeit – je nachdem wie man sie definiert – wird viele von uns noch monatelang finanzielle Krisenzeiten bescheren. Das sehen wir zuerst im direkten Umfeld, im Handel, dann aber auch im Bereich der Medien und in bisher noch weniger berührten Branchen, wie im Immobilienmarkt. Aber jenseits der negativen Auswirkungen zeigen sich auch Lichtblicke. Nicht nur die Wirtschaft hat an Innovationskraft gewonnen. Auch unsere Gesellschaft hat eine Art Reboot bekommen. Plötzlich merken wir, dass Digitalisierung hilft, menschliche Fähigkeiten zu verbessern. Dass Dinge „gemeinsam tun“ wesentlich mehr bewirkt, als alles alleine zu stemmen. Und wir werden sehen, wo unsere gesellschaftlichen Schwachstellen weiterhin sind, sei es in Generationsfragen oder in der finanziellen Ungleichheit in unseren Ländern. Und idealerweise schaffen wir es, diese Probleme und Knoten langsam genauso zu lösen, wie wir es mit den akuten in der Krise getan haben.

 

Erlauben Sie uns eine persönliche Frage: Was ist Ihr persönlicher Lichtblick in der jetzigen Situation?

Schleicher: Die täglichen Anrufe von Personen, die mir wichtig sind. Dazu reden wir viel häufiger und viel intensiver miteinander. Das schweißt zusammen. Sowohl im beruflichen wie auch im privaten. Als Geschäftsführerin zu sehen, dass Kollegen und Mitarbeiter ohne Probleme im Home-Office sich selbst organisieren, Verantwortung übernehmen und gleichzeitig mit den Kindern zuhause Großartiges meistern, auch wenn sie das im ständigen Trubel wahrscheinlich selbst gar nicht so wahrnehmen.

 

Unser Hauptthema als PR-Agentur ist ja die Kommunikation. Haben Sie eine Prognose, welche aktuellen Veränderungen in der Kommunikation uns nachhaltig erhalten bleiben werden? Bleiben wir dann vielleicht gleich dabei, was früher in persönlichen Meetings erarbeiten wurde, jetzt per Mail oder Videokonferenz abzuhandeln, weil es einfacher ist? Behalten unsere Omas und Opas ihre neuen Tablets und Devices?

Schleicher: Die Digitalisierung ist sicherlich etwas, dass sich grundlegend weiterentwickelt hat. Und das wird sich auch in unserer Meeting-Kultur widerspiegeln. Dort, wo früher größere Geschäftsreisen nötig waren, ist jetzt der Ruf zur Webkonferenz. Das fördert nicht nur eine effizientere Kommunikation, sondern auch eine ökologisch nachhaltigere. Senioren, die bei weitem schon digitaler sind, als die jüngeren Generationen denken, nutzen auch in Zukunft wesentlich häufiger digitale Medien. Wir dürfen auch nicht vergessen, die Senioren von heute sind schon viele Jahre mit digitalen Medien konfrontiert. Die Krise setzt lediglich den Fokus auf eine ältere Generation und ihr Verhalten – und auf einmal merken wir, dass Themen, die diese Generationen umtreiben, wie Fitness, Gesundheit und Werte wie Familienzugehörigkeit und Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens, den Zeitgeist aller Generationen widerspiegeln und berührt. Damit sind die Senioren die Trendsetter der jetzigen Zeit.

 

Heißt Zukunftskommunikation automatisch immer mehr Digitalisierung oder sehen Sie da auch andere Trends?

Schleicher: Kommunikation ist letztendlich nichts Digitales oder Technologisches. Kommunikation zeichnet sich in der Beziehung zu Menschen aus. Weshalb wir auch von den Megatrends der Konnektivität – der Vernetzung – und nicht von reiner Digitalisierung sprechen. Es geht letztendlich um die Art und Weise, wie Menschen sich begegnen und sich austauschen. Das ist in den letzten Monaten intensiver geworden, sei es durch gezielte, persönliche Gespräche, die gemeinsame Zeit zu Hause oder virtuelle Feierabende, Familienbesuche. Wir alle haben nach einem langen Tag gemerkt, wie schön es ist, sich auf seine Lieben zu konzentrieren. Egal wo sie sind. Auch unsere Sprache bzw. unsere Tonalität hat sich verändert. Wir waren vor kurzem noch wesentlich lauter, einfordernder. Was nicht immer schlecht ist, ganz im Gegenteil. Aber heute bewegt uns eine gemeinschaftliche, solidarische Tonalität. Wir handeln und agieren resilienter. Und setzen Maßstäbe, ohne sie laut kund zu tun oder zu wollen. Sowohl für uns Menschen wie aber auch für Unternehmen ist es für die kommenden Jahre besonders wichtig, einen positiv konnotierten, unaufgeregten und trotzdem treibenden Ton zu finden, der uns weiterbringt und nicht nur Einzel-Meinungen schafft.

 

Nachrichtenplattformen, Onlinemedien, Influencer, Youtuber, usw. – Wer sind aus Ihrer Sicht die kommunikativen Gewinner der Situation, wer hat eher an Imagewerten oder Relevanz eingebüßt?

Schleicher: Das ist relativ einfach zu beantworten: Der, der sich in dieser Zeit präsent, verantwortungsvoll, ehrlich und transparent gezeigt hat. Derjenige, der anderen geholfen hat, egal in welcher Branche, das sind die großen Gewinner dieser Krise. Diejenigen, die schon vor Jahren ein großes Versprechen in die Welt gesetzt haben, einen Purpose, wie es gerne heißt, diesen allerdings nicht konsequent in Krisenzeiten wahr gemacht haben – das sind langfristig die Verlierer der Krise.

Weitere Infos über Theresa Schleicher: https://vornconsulting.com/

 

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Sabine Moll

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