Social Media killed the Broadcast Star?

21. 07. 2022

Social Media killed the Broadcast Star?

Bundesländer-Nachrichten um 19:00 Uhr, um 22:00 Uhr das Interview des Tages in der Zeit im Bild 2 – dass man früher seinen Tag danach gerichtet hat, wann man im Fernsehen News konsumiert, ist heutzutage kaum mehr vorstellbar. Immerhin tragen die meisten die aktuellste, schnellste Nachrichtenquelle in der Hosentasche: das Smartphone.

Es sind für Medienmacher*innen nicht besonders prickelnde Studienergebnisse: Das Vertrauen in die Medien sinkt und immer mehr Menschen meiden aktiv Nachrichten – auch hierzulande. Doch warum geht vor allem das Nachrichteninteresse immer mehr zurück?

 

Pandemie als Ursache für Vertrauensverlust in Medien

Einer der Hauptursachen für das Phänomen, dass Rundfunksender aber auch große Tageszeitungen an Reichweite verloren haben, war die Corona-Thematik, aus der Gruppierungen wie Coronaverschwöhrungstheoretiker*innen hervorgingen. Generell hat im Jahr 2022 das Vertrauen in die Medien und der Politik stark abgenommen. 36,7 Prozent versuchen Nachrichten gelegentlich zu vermeiden. Die häufige Berichterstattung über politisch Geschehnisse und die Coronapandemie, zuletzt auch noch die minütlichen Live-Ticker zum Ukrainekrieg sind dabei die häufigsten Gründe der Nachrichtenvermeidung. 40,3 Prozent der Befragten erwähnen auch die negative Stimmung, die Nachrichten allgemein verbreiten, als Grund. Das Dauerfeuer monothematischer Nachrichten ermüdet. Darunter leidet auch die gründliche Auseinandersetzung mit vielfältigen Themen. Das geht aus dem aktuellen Digital News Report 2022 hervor.

 

Digitaler Konsum steigt

Aber dennoch: TV-Nachrichten sind auch in diesem Jahr mit 61,6 Prozent die am häufigsten verwendete Nachrichtenquelle, wenn auch rückläufig. Was Österreich-spezifisch ist, ist die gemischte Nutzung von digitalen und traditionellen Medien – dabei werden Nachrichtendienste wie Telegram oder WhatsApp zunehmend als ergänzende Informationsquellen genutzt. Im Social Media Bereich steht Facebook an erster Stelle, dicht gefolgt von WhatsApp und der Videoplattform YouTube. Zudem ist die Nachrichtennutzung auf TikTok und Instagram ebenfalls gestiegen – speziell bei der jungen Zielgruppe.

Auch die Zahlungsbereitschaft für digitale Nachrichtenangebote hat 2022 in Österreich zugelegt, wie in den vergangenen Jahren in kleinen Schritten von rund 1,5 Prozentpunkten. 13,5 Prozent der Befragten gaben Anfang 2022 an, sie hätten im Vorjahr für Onlinenachrichten bezahlt, nach zwölf Prozent anno 2021.

 

Schnelle Kommunikation über Social Media Kanäle beliebt

Die vielfältigen Partizipationsangebote auf Social Media sind ein Hauptgrund, warum Nutzer*innen vermehrt drauf zurückgreifen: Die Distributionskanäle im Internet sind leicht verfügbar und obendrein kostengünstig und durch die niederschwellige Teilnahme an Nachrichten über Soziale Medien werden Interaktionen ebenso ermöglicht.
Charakteristisch für die aktive Partizipation ist vor allem das Veröffentlichen eigener Inhalte, z.B. in Form von Blogartikeln oder Kommentaren bei Nachrichtenbeiträgen in Sozialen Medien oder auf Nachrichtenwebsites. Reaktiv partizipierende Personen greifen eher zu Inhalten von Nachrichtenorganisationen, Sozialen Medien, Blogs etc. und teilen diese Nachrichten beispielsweise über Instant Messaging-Angebote mit anderen. Die letzte Gruppe der passiv konsumierenden Personen tauscht sich allerdings nur in geringem Maße online bzw. im Gespräch über die Nachrichteninhalte aus. Außerdem liefern sie keine zusätzlichen Informationen und spielen daher auch eine sehr geringe Rolle.

Wie sich das Nachrichteninteresse in den kommenden Jahren entwicklen wird, bleibt noch offen – dennoch ist davon auszugehen, dass die digitalen, schnellen, adaptierbaren Nachrichtenquellen immer mehr in den Fokus rücken und es für das Fernsehen, gedruckte Zeitungen und Co. immer schwerer wird am Markt zu bleiben.

Den Digital News Report Österreich 2022 kann man hier nachlesen: http://www.digitalnewsreport.at/

 

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

Second Screen – The New Way of Using Media
Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken

 

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Titelbild von Jeremy Bezanger bei Unsplash

Manmohani Singh

Manmohani
Singh


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