Social Media Trends 2020

21. 02. 2020

Social Media Trends 2020

Das neue Jahr ist noch jung, aber wir wagen einen Blick in die Zukunft: Was bringt 2020 an Neuheiten für die Kommunikation mit sozialen Medien? Und welche von diesen Trends werden uns noch länger beschäftigen? Wir haben uns umgehört.

Keine Likes mehr auf Instagram?

Mit einem überraschenden Vorstoß ließ Instagram gleich zu Beginn des Jahres Social Media-Gurus, Influencer und Nutzer aufhorchen: Instagram-CEO Adam Mosseri plant offenbar die öffentlich sichtbaren „Likes“ los zu werden. Künftig sollen User nur noch sehen, wie viele „Herzen“ ihre eigenen Posts erhalten haben – nicht aber die von fremden Posts. Damit soll der ungesunden „Bewertung“ von Personen im Netz zumindest auf Instagram ein Riegel vorgeschoben werden. Die Reaktionen aus der Community sind gemischt – nicht zuletzt, weil ein Teil der Plattform auf dem „sich-selbst-präsentieren“ aufbaut. Auch die Auswirkungen auf die Werbewelt sind noch offen. Schließlich war die Anzahl der Likes bisher immer ein guter Indikator für die Effizienz eines Postings beim Influencermarketing. 

Video killed the radio star

Ein Trend der letzten Jahre wird sich weiter fortsetzen: Bewegtbild wird noch wichtiger. Laut einer Studie des Technikunternehmens Cisco werden etwa bis 2022 82 Prozent des Online-Traffics auf Videoinhalte entfallen, davon werden 17 Prozent von Live-Videos kommen. Plattformen wie TikTok oder Twitch profitieren von dem Aufschwung.

Von der Nische auf die Weltbühne

Wir wissen noch nicht, wer oder was das „neue Facebook“ wird. Aber ein Trend der sich abzeichnet ist, dass sich die neuen Größen im Social Media Business aus Nischenmärkten heraus entwickelt haben. Ob TikTok, Twitch oder LinkedIn – diese stark wachsenden Plattformen fanden dank Jugendlichen, Gamern oder Jobsuchenden Bekanntheit und peppen den Marketing-Mix ordentlich auf. Wer „the next big thing“ sucht, sollte darum die Augen nicht nur bei den Alleskönnern und üblichen Verdächtigen offen halten, sondern Randphänomene beobachten. 

Nichts ist für immer

Inhalte werden nicht nur schneller verfügbar, sie verschwinden auch wieder schneller. Während es früher noch hieß „Was einmal im Netz ist, bleibt immer im Netz“, sieht es heute und in Zukunft anders aus. Wohl auch, weil die neue Generation der Nutzer sich des Datenschutzes bewusster ist denn je. Davon profitiert vor allem das „Stories“-Tool auf Instagram, Facebook und Snapchat, das in letzter Zeit immer populärer wurde. Aber für dessen Beliebtheit ist wohl nicht nur der Datenschutz verantwortlich. Die Stories passen zum Lifestyle: Schnell, kurz und unterhaltsam. Ein zukunftsträchtiges Format.

Weniger öffentliche, mehr private Interaktion

Kommunikation wird wieder mehr privat und weniger öffentlich. Das heißt Messaging Apps werden immer wichtiger, auch für die Unternehmenskommunikation. Wie das funktioniert, zeigt zum Beispiel Chinas Super-App WeChat. Facebook erkannte den Trend, investierte in seinen eigenen Messenger und kaufte WhatsApp. Nun zieht auch Google nach und versucht sich erneut mit einem Messenger, der die eigenen Dienste Gmail, Drive und Hangouts koppeln soll. Bei Endverbrauchern ist Google mit Messengerdiensten bisher gefloppt, das neue Tool zielt nun direkt auf Unternehmen ab. Damit soll es in Zukunft leichter sein, die unterschiedlichen Kommunikationskanäle zu bündeln.

Influencer im Nano-Bereich

Influencer Marketing ist nichts Neues. Mittlerweile ist es auch in den kleinsten Kommunikationsabteilungen angekommen. Was sich aber ändert, ist welche Influencer angesprochen werden. Die ganz Großen sind für die meisten Unternehmen mittlerweile nicht nur völlig unerschwinglich, gerade für regionale Marken ist der Streuverlust dabei auch viel zu hoch. Von mangelnder Glaubwürdigkeit der vielen Instagram- und YouTube-Starlets ganz zu schweigen. Dem wirkt die Rekrutierung von sogenannten Nano-Influencern entgegen. Der „Nano“ Bereich beginnt bei gut vernetzten Menschen unter 1.000 Followern. Anstatt also das ganze Budget für einen Social Media-Superstar zu verpulvern gehen immer mehr Unternehmen dazu über viele kleine Kontakte zu knüpfen. Hier kann man auch deutlich differenzierter vorgehen und regional oder nach Themengebieten genau aussortieren.

Lass es machen

In eine ähnliche Kerbe wie das Nano-Influencer Marketing schlägt ein weiterer Trend: User generated content wird immer bedeutender. Mehr Glaubwürdigkeit erhoffen sich Unternehmen derzeit davon, ihre Follower für sich arbeiten zu lassen – sowohl bezahlt in Form von Nano-Influencern als auch unbezahlt über ihre Follower-Basis. Marketingbudgets verlagern sich damit weg von der Content-Eigenproduktion, hin zur Mobilisierung der Netzgemeinde.

YouTube: Das neue Netflix?

Weg vom User generated content bewegt sich allerdings ausgerechnet eine Plattform, die damit groß geworden ist: Bei YouTube ist derzeit alles im Umbruch. Mit der Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie und einer neuen internen Richtlinie für Videos, die sich an Kinder richten, sorgte die Google-Tochter für massive Änderungen für Content-Ersteller. Vor Videos, die „Kinder ansprechend finden“ werden etwa keine gezielten Werbungen mehr ausgespielt – welche allerdings die größte Einnahmequelle für YouTuber sind. Welche Videos das sind, bestimmt offenbar ein Algorithmus. Hinzu kommt, dass YouTube noch rigoroser gegen (vermeintliche) Copyright-Verletzungen vorgehen will – ebenfalls mit Hilfe eines Algorithmus. YouTuber befürchten eine „erst sperren und dann nachfragen“-Politik und sehen ihre Existenzgrundlage bedroht. Dem gegenüber steht, dass YouTube seinen Bezahldienst YouTube Premium forcieren will. Dieser hat gemeinsam mit dem Schwesterangebot YouTube Music immerhin bereits 20 Millionen Abonnenten. Damit ist der Online-Riese allerdings noch weit entfernt von den branchenführenden Netflix mit 171,77 Millionen Abonnenten und Spotify mit 96 Millionen Abonnenten.

Elisabeth Amann

Elisabeth
Amann


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