Spagat zwischen Interessensvertretung und Mitgliederservice

12. 07. 2018

Spagat zwischen Interessensvertretung und Mitgliederservice

Mehr als zwei Millionen Mitglieder zählt der ÖAMTC, nur 70 Mitglieder dagegen der VÖTB, der Verband der Österreichischen Trockenbau-Unternehmen. So unterschiedlich die Größe und die behandelten Themen – in der Kommunikation stehen beide vor sehr ähnlichen Aufgaben.

Österreichern wird gerne nachgesagt, dass sie Vereinsmeier wären. Das klingt ein bisschen spöttisch, andererseits: So ungeschickt ist es nicht, sich zusammenzuschließen, wenn man gemeinsame Ziele hat. Diese klar abzustecken ist oft bereits die erste Herausforderung für die interne Kommunikation und verlangt von den handelnden Personen außerordentliches Geschick und strategisches Denken.

Diversität der Mitglieder

Ein Beispiel, das die Komplexität der Verbandskommunikation wunderbar veranschaulicht: Ein Rassehundeverein mit mehr als 2.000 zahlenden Mitgliedern. Die einen meinen, nur die jagdliche Ausbildung entspräche der reinen Lehre, die Zweiten denken, dass diese Rasse als Rettungs- und Therapiehund ideal sei, und die Dritten lieben den sanften Familienhund – und sie alle wollen, dass ihre Mitgliedsbeiträge entsprechend gewidmet werden, durch Serviceleistungen oder die Schaffung von Regulativen.

Zuerst nach innen arbeiten

Die Freiwilligkeit der Mitgliedschaft und des Ehrenamts stellen die interne Kommunikation in den Mittelpunkt. Die Stärke eines Verbandes wächst mit der Anzahl der Mitglieder, doch: je mehr Mitglieder, desto divergenter die Ziele und Ansprüche. In diesem Spannungsfeld ein klares Profil zu schaffen und einen Ausgleich unter den Interessen herzustellen, ist eine der vorrangigen Aufgaben der internen Kommunikation. Mit diesem Wissen setzen Vereine und Verbände auf den persönlichen Kontakt. Die alljährliche Hauptversammlung reicht dafür nicht. Round Tables zum Erfahrungsaustausch, Arbeitsgruppen zu speziellen Schwerpunktthemen, Meetings in den Regionen, Newsletter und Mitgliederzeitschriften zählen hier zu den gängigsten internen Kommunikationsformen. Viel Kraft und ein Gutteil des Budgets werden daher in Liveveranstaltungen investiert.

Starke Stimme nach außen

Verbände und Vereine wollen Einfluss nehmen auf gesellschaftliche oder gesetzliche Rahmenbedingungen, um damit ihren Zielen näherzukommen. Also brauchen sie selbstbewusste Repräsentanten, die in der Öffentlichkeit auftreten und konsequent für ihre Mitglieder eintreten. Sowohl beim Knüpfen von Netzwerken als auch in der Medienarbeit haben diese einen großen Vorteil im Vergleich zu Unternehmenssprechern: Sie haben primär kein kommerzielles Ziel und wollen nicht das neueste Produkt verkaufen. Sie werben für eine Idee, für ein übergeordnetes Branchenanliegen oder ein gesellschaftspolitisches Thema – und dafür öffnen sich Türen bei Medien, Behörden und Interessenvertretungen sehr viel schneller und weiter. So wie die interne ist also auch die externe Kommunikation von Verbänden sehr eng mit persönlichen Auftritten und Kontakten verbunden – viel Zeit, die Vereins- und Verbandsfunktionäre investieren. Dafür, dass viele von ihnen das in ihrer Freizeit tun, gebührt ihnen größter Respekt.

Fotocredit (c): Rawpixel – iStockphoto.com

Eva Fesel

Eva
Fesel


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