Texte mit Feuer – Tricks für Creative Writing im Job

29. 11. 2018

Texte mit Feuer – Tricks für Creative Writing im Job

Hinsetzen und sofort packende Sätze zu Papier bringen. Ist Creative Writing nur etwas für Genies oder kann man das lernen? Wir haben Tipps für kreatives Texten.

Lebhaft, fesselnd und knackig formulieren – wünscht man sich, ist aber nicht einfach. „Creative Writing“, also kreatives Schreiben, verlangt mehr als ein bisschen Inspiration. Und auch das Verfassen dieses Blogbeitrags bringt gleich ein schwieriges Thema ans Tageslicht. Nämlich die klare Ergebnisorientierung im täglichen Schreibbusiness. Wer in der Kommunikation, PR, Marketing arbeitet, weiß: Geschrieben wird, was auf den Tisch kommt. Kein Herantasten an Themen, die Bezug zum eigenen Leben oder eigenen Interessen haben, im Gegenteil: Es gibt einen Auftrag, ein vorgegebenes Thema und darüber hinaus oft einen engen Abgabetermin. Robuste Schreiber stehen da drüber, tippen, und fertig. Aber für andere, die auch gut oder zumindest nicht blamabel sein wollen, eignen sich diese Voraussetzungen als perfekte Zutaten für eine ausgewachsene Schreibblockade. Zusätzlich macht auch noch der eigene (oder fremde) Anspruch Druck, „ganz besonders kreativ und genial“ zu texten.

Schreiben ist nicht gottgegeben

In unserer Branche besteht meist die Meinung, dass man schreiben kann oder eben nicht. Wer nicht mit kreativem Genius gesegnet ist, könnte es sofort vergessen. Glücklicherweise wird nicht überall so gedacht. Viele Lektoren von Universitäten in den USA erklären, dass Schreiben wie jedes andere Handwerk gelernt werden kann. Schließlich drückt man musikalischen Fünfjährigen auch keine Geige in die Hand und sagt: „Du bist begabt, also spiel jetzt einfach los.“ Genauso wenig sollten wir von uns selbst erwarten, dass gutes, ideenreiches und sicheres Schreiben von alleine kommt.

Ohne Perfektion schnell in den Flow

Welche Tricks helfen, um in den Flow zu kommen und den eigenen inneren Zensor zumindest für kurze Zeit in die Wüste zu schicken? Eine Methode aus dem amerikanischen Raum ist das „Freewriting“ als Start in den kreativen Prozess. Dabei schreibt man im wahrsten Sinn ohne Punkt und Komma eine vorgegebene Zeit zu einem bestimmten Thema. Alles ist erlaubt, nur aufhören ist verboten. Am besten funktioniert das handschriftlich – der Stift bleibt ständig in Bewegung. Wenn die Ideen ausgehen, ist ein mehrmaliges „mir fällt nichts ein“ in Ordnung. Oder auch Wellenbewegungen mit dem Kugelschreiber bis wieder neue Gedanken auftauchen. Ziel ist es, die Kontrolle abgeben, sich frei von jeglicher Perfektion zu machen und sich im ersten Schritt nicht auf das Endergebnis zu fokussieren.

Mit einem „shitty first draft“ als Ergebnis lässt es sich leichter weiterarbeiten und die Angst vor dem weißen Blatt Papier ist verflogen. Viele Autoren empfehlen die Methode auch als tägliche Morgen- oder Abendroutine, um sich die Themen des Tages von der Seele zu schreiben und in tieferes kreatives Denken zu kommen.

Grobe Drafts sind Freunde

Ein nächster kreativer Schub für Rohtexte ist das sogenannte „friendly feedback“, wie es – neben vielen anderen Methoden – im innovativen Writers Studio in Wien (Lehrgang Schreibkompetenz fürs Business) praktiziert wird.

Im deutschsprachigen Raum konzentriert man sich meist darauf, was nicht funktioniert. Die amerikanische Methode macht das andersrum. Die Fragen an den Text lauten: Was sind die besonders gelungenen Stellen? Wo bekomme ich Gänsehaut? Was kommt bei mir an und welche Fragen habe ich an den Text? Was würde mich noch besonders interessieren? Mit diesem Feedback einer Gruppe oder im Berufsleben notgedrungen auch von sich selbst, geht es in die nächste Überarbeitungsrunde. Hemingway soll einzelne Szenen seiner Romane bis zu 40 Mal überarbeitet haben – auf der Schreibmaschine, wohlgemerkt. Klingt nach entsetzlich viel Arbeit, ist aber auch tröstlich. Was wir als gedruckten Roman oder spannende Short Story in den Händen halten, ist kein Geniestreich einer Nacht. Sondern das Ergebnis zäher Arbeit, vieler Überarbeitungsschritte und jeder Menge investierter Zeit.

Creative Writing: Auch Businesstexte können Spaß machen

Privat können sich Schreiber Zeit lassen, im Büro ist schnelles Schreiben verlangt. Die Tricks für literarisches Schreiben lassen sich aber auch auf journalistische und marketinggetriebene Texte anwenden. Ein Tipp ist, sich für Recherchen und Einstimmung auf ein Thema Zeit zu nehmen. Auch wenn der Abgabetermin unmittelbar bevorsteht und gerade, wenn man ein Thema gefühlt schon Millionen Mal zu Papier gebracht hat. Hilfreich ist, das gewonnene Wissen vor dem Losschreiben auf einem großen Blatt zu clustern und zu ordnen. Der Leser spürt, ob man sich mit der Thematik/ dem Produkt auseinandergesetzt hat. Mit intensiver Recherche kann ich ihn mitreißen, für etwas begeistern.

Was wir von Videoclips lernen können

Auch das große literarische Prinzip „show, don‘t tell“ ist für Business-Texte anwendbar. „Eisig spürt er den Blick im Nacken, unwillkürlich zieht er die knochigen Schultern hoch und presst den abgetragenen Mantel über der Brust fest zusammen“ – diese Zeilen vermitteln ein anders Bild als: „Max Muster hatte Angst.“ Wer beschreiben kann, wie ein Produkt duftet, schmeckt, sich anfühlt, hat schon gewonnen. Wie in einem Videoclip konzentriert man sich auf Eindrücke, starke Bilder und Anreize für die Sinne.

Es fordert Courage, Dinge gerade heraus zu beschreiben und dem gewohnten Marketingsprech eine Pause zu gönnen, aber es lohnt sich. Daher: Nur Mut zu mehr starken Bildern und Emotionen in beruflichen Texten, sie beleben sie mit der ganzen Fülle des Lebens.

 

Tipp: Berufliches Schreibhandwerk in Kurzworkshops verfeinern z.B. mit dem Fokus „show don’t tell“ im Seminar „Short Story“ , viele Tipps gibt es auch in Buchform wie im Klassiker „Das Leben und das Schreiben“ (Originaltitel: „On Writing“) von Stephen King.

Titelbild von Shutterstock

Maria Wedenig

Maria
Wedenig


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