Video statt Kaffee & Kipferl? Wann und wie virtuelle Pressekonferenzen jetzt Sinn machen

04. 05. 2020

Video statt Kaffee & Kipferl? Wann und wie virtuelle Pressekonferenzen jetzt Sinn machen

Nach einem relativ zögerlichen Start vor etwa zwei, drei Jahren erleben virtuelle Pressekonferenzen auch in Österreich jetzt einen Boom. Gefühlt alle nutzen größtenteils kostenlose Plattformen, um ihre Themen zu platzieren und den direkten Kontakt zu Medien aufrecht zu erhalten. Ist ja auch einfach und kostengünstig – und es braucht schon lange kein TV-Studio mehr dafür. Doch wann ist es wirklich sinnvoll, wie erreicht man die relevanten Journalisten und was sind die Fußfallen dabei?

 

Der Content – Gibt es überhaupt etwas zu sagen?

Redaktionen haben aktuell durch Kurzarbeit und Werbeeinnahmenverluste immer weniger Ressourcen – aber gleichzeitig mehr Themen, die es zu bearbeiten gilt. Es sollte daher noch genauer als vor Corona geprüft werden, ob das Thema tatsächlich genügend Nachrichtenwert für eine Pressekonferenz hat. Zwar fällt der Zeit- und Kostenaufwand für An- und Abreise weg, aber es ist trotzdem naiv zu glauben, dass sich alle Wunschjournalisten aus dem Homeoffice einwählen, nur weil eine virtuelle Konferenz im Angebot ist. Gefragt sind, wenn das Thema nicht gerade höchste gesellschaftliche Relevanz hat, eher die schnelle (Online)Story oder der exklusive Blickwinkel. Bei weniger breitenrelevanten, nicht zeitkritischen Inhalten sind also oft Einzelgespräche via Videokonferenz sinnvoller, bei kurzen, aktuellen Geschichten Presseaussendungen.

 

Das Format – App versus Pressezentrum

Wenn ja, dann wie? Für Web-Konferenzen gibt es unzählige Anbieter in der Bandbreite von der kostenlosen App über das virtuelle Pressezentrum eines Nachrichtendienstes und Individuallösungen von Videofirmen bis hin zur teuren Megavariante für tausend Teilnehmer.

Bei der Auswahl des Tools heißt es, vorab einiges zu überlegen:

  • Wie viele Teilnehmer sind zu erwarten?
  • Welche Inhalte sollen vermittelt werden? Tonspur, Bewegtbild, Videos, Grafiken, Präsentationen?
  • Sind Terminplanung und Einladungsmanagement in meinem präferierten Tool möglich?
  • Bietet es eine Moderatorenfunktion, bei der der Host Sprecher frei- und stummschalten kann?
  • Lässt sich die Konferenz aufzeichnen?
  • In welchem Videoformat ist die Aufzeichnung downloadbar?
  • Funktioniert die Anwendung in sämtlichen gängigen Browsern?
  • Wie ist es um den Datenschutz bestellt?

Ist die interne IT-Abteilung – oder die betreuende PR-Agentur – gut aufgestellt, um die passende Auswahl zu treffen und die Konferenz aufzusetzen und zu hosten, sind oft kostenlose Tools der einfachste und günstigste Weg. Zielt man darauf ab, den Mitschnitt in der ZIB2 zu platzieren oder mit Kunden zu teilen, empfiehlt sich eine Aufnahme in Studioumgebung und eine professionelle Bearbeitung inkl. Schnitt und Ton.

 

Dialog statt Vortrag

Viele setzen derzeit einfach auf das Durchklicken einer Präsentation mit Tonspur-Erläuterungen durch den/die Sprecher. Hier geht das Menschliche komplett verloren – zumindest eine Fenstereinblendung des Sprechers sollte vorgesehen sein. Jeder Teilnehmer sollte die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, sei es mündlich oder durch Eintippen in ein Fragefenster. Die Fragen sollten auch für alle anderen sichtbar sein. Nur so fühlen sich Journalisten gleichberechtigt und gehört. Daher empfehlen wir für das Fragen-Antwort-Spiel nach der Präsentation auch, zusätzlich die Telefon- oder Videooption zuzulassen, anstatt nur die Chatfunktion anzubieten. Nicht jeder kann vielleicht direkt teilnehmen, sieht sich aber den Mitschnitt gerne an – oder verwendet Teile davon Online, in TV oder Hörfunk. Daher bitte möglichst rasch nach der PK den Mitschnitt als Video auf der eigenen Website einbetten und zum Download anbieten.

 

PK versus Show

Content vor! Die Bedürfnisse einer Pressekonferenz sind zu beachten, Werbevideos haben auch in virtuellen Presseterminen keinen Platz. Der Inhalt muss die wichtigste Rolle spielen, auch wenn es noch so verführerisch ist, vorhandenes Videomaterial zu nutzen. Umfassende Ausstattung ist übrigens nicht nötig. Will man eine gängige Videokonferenzsoftware nützen reichen Laptop/Desktop, bestenfalls mit Zusatzmikro bzw. Zusatzkamera mit integrierten Mikro völlig aus. Für das Setting der Protagonisten reicht ein Stehtisch mit neutralem Hintergrund und gutes Licht von vorn. Das geht sogar im Homeoffice. Die Dramaturgie kann man einfach wie gewohnt, parallel zu einer „normalen PK“, konzipieren. Der Moderator sitzt am Ruder, begrüßt die Teilnehmer, stellt die Sprecher vor, schaltet rechtzeitig Bild und Ton frei oder ab und organisiert den Fragenteil.

 

PK kann zum öffentlichen Statement werden

Ist ein relevantes Thema gefunden, kann die digitale Pressekonferenz auch zum interessanten Content für Newsplattformen werden – wie kürzlich auch das Beispiel des Kunden Wirtschaftskammer Vorarlberg zeigte. In den letzten Wochen konnte das ikp-Team diese aktuellen „virtuellen PKs“ bei Online-Plattformen wie vienna.at oder vol.at als Livestream veröffentlichen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Nachrichtenplattformen hatten exklusiven, relevanten Content, den die User gerne annahmen. Bis zu 500 User verfolgten gleichzeitig die PKs und am Ende sahen über 8.000 Menschen live zu. Ein echter Mehrwert für alle. Zur Info gibt es hier die virtuellen PKs der Wirtschaftskammer Vorarlberg und des Land Vorarlberg zum Nachsehen.

 

Fazit: Wann, wenn nicht jetzt?

Passt das Thema und sind das perfekte Tool oder der beste Anbieter gewählt, steht der virtuellen Pressekonferenz nichts mehr im Weg. Jetzt ist der beste Zeitpunkt, einen Testlauf zu wagen – das Format wird sich auch nach Corona bewähren und als neuer Standard vermutliche besser funktionieren als die klassischen Kaffee-Brötchen-Hotel-Pressetermine.

 

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

 

Konnten wir Ihr Interesse zu Krisenkommunikation & Reputation Management wecken? Hier geht es zu unseren Leistungen.

 

Titelbild von Nick Morrison bei Unsplash

Susanne Hudelist

Susanne
Hudelist


Weitere Neuigkeiten

Hashtags, die um die Welt gehen

Hashtags, die um die Welt gehen

05. 06. 2020

Egal ob #JeSuisCharlie, #metoo oder #BlackLivesMatter – Hashtags werden schon lange nicht mehr nur zur Selbstdarstellung eingesetzt, sondern sind auch zentral für kollektives Handeln und ...

mehr lesen
ikp Corona-Studie: Von Helden & schwarzen Schafen

ikp Corona-Studie: Von Helden & schwarzen Schafen

02. 06. 2020

Ärzte als Helden, Konzerne als schwarze Schafe? Das Corona-Imagekarussell dreht sich schnell – wie Sie Ihre Reputation schützen, lesen Sie hier.

mehr lesen
Wie FIT ist mein Content?

Wie FIT ist mein Content?

31. 05. 2020

Bevor ein Blogbeitrag, ein Social Media Posting, ein Advertorial oder eine Pressemitteilung verfasst wird, sollte sich jede Autorin und jeder Autor die Frage stellen: Wie ...

mehr lesen
ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

ikp-Studie: So (fehl)informiert ist Österreich

27. 05. 2020

92% der Österreicher fühlen sich laut ikp-Umfrage mit TripleM gut informiert. Jeder Zweite ist allerdings schon Fake News aufgesessen. Kritisch prüfe, wer sich informiere!

mehr lesen
„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

„Senioren sind jetzt die Trendsetter“

26. 05. 2020

Zukunfts- und Marketingexpertin Theresa Schleicher im Interview über Ängste und Hoffnungen, Prognosen zum Post-Corona-Zeitalter und den Megatrend Konnektivität.

mehr lesen
TikTok: Werbepotenzial für Unternehmen?

TikTok: Werbepotenzial für Unternehmen?

24. 05. 2020

Mit 800 Millionen monatlich aktiven Nutzern weltweit: 500 Millionen davon aus China, 30 Millionen aus den USA und 5,5 Millionen deutschen Nutzern befindet sich TikTok auf der Überholspur. Im ...

mehr lesen
nach oben
ikp PR-Agentur Logo