Zwischen Fakten und Fake: Die Highlights der Interactive West 2018

29. 06. 2018

Zwischen Fakten und Fake: Die Highlights der Interactive West 2018

Hass ist krass – Liebe ist krasser. Dieses und weitere Erkenntnisse von der fünften Interactive West, die langsam den Kinderschuhen entwächst und sich zum Digital-Hotspot im Vier-Länder-Eck entwickelt, haben wir in unserem Blogbeitrag zusammengefasst.

Don’t feed the troll?

Am 14. Juli 2016 fuhr ein LKW auf der Promenade des Anglais in Nizza durch die Menschenmenge. 86 Menschen wurden dabei getötet, hunderte verletzt. Die Bilder des Terroranschlags gingen später um die Welt. Ihr Urheber: Der deutsche Journalist Richard Gutjahr, der die Keynote auf der diesjährigen Interactive West hielt. Nur zufällig war er gerade in Nizza und wurde Augenzeuge des Attentats, das er mit seinem Handy filmte. Das Material stellte er später dem Fernsehsender WDR zur Verfügung. Nur wenig später, am 22. Juli berichtete Gutjahr für die ARD Tagessschau live von dem Anschlag beim Olympia-Einkaufszentrum in München. Richard Gutjahr hat seinen Job gemacht. Er hat hingesehen und er hat berichtet, was er gesehen hat, wie er das bereits seit Jahren tut. In der Welt der Verschwörungstheoretiker gibt es aber keine Zufälle, schon gar nicht wenn ein Journalist, der für öffentlich-rechtliche Fernsehsender tätig ist, mit einer Frau verheiratet ist, die Abgeordnete im israelischen Parlament war. Was aber in der Welt der Verschwörungstheoretiker vorkommt, sind absurde Theorien über die Eroberung der Weltherrschaft, inszenierte Terroranschläge und antisemitische Ressentiments. Gutjahr und seine Familie wurden auf Youtube, Facebook, auf diversen Blogs und in den hintersten Ecken des Internets beschimpft, beleidigt, verfolgt. Bis heute kämpft Gutjahr gegen Verleumdungen und künstlich fabrizierte „Fake News“. Heute beschreibt er diese Zeit als die schwierigste Phase seines Lebens, die nach wie vor nicht abgeschlossen ist. Um andere vor der Welt der „Alternativen Fakten“ und Verschwörungstheoretiker zu bewahren, gibt es, so Gutjahr, drei Schritte:

  1. Identifiziere die Wortführer und gehe gegen sie vor.
  2. Ändere den Narrativ: Es macht bei den Empfängern keinen Unterschied, ob du sagst, dass eine unwahre Geschichte falsch ist. Effektiver ist, die richtige Geschichte zu erzählen.
  3. Schweig lauter: Gehe gegen die Verstöße vor.

Das Internet gehört allen

Jene Frage die den BesucherInnen der Interactive West an diesem Tag wohl am meisten auf der Zunge brannten: Wieso hat sich Gutjahr danach nicht komplett aus dem Netz zurückgezogen? Der Journalist entgegnete, dass das Internet allen gehöre, nicht nur den Trolls und den Verschwörungtheoretikern. Die weltweite Vernetzung, die wir dem Internet zu verdanken haben, ist nach wie vor etwas Positives. Jedoch soll jedem klar sein, wie schnell ein Shit-Tsunami über einen hereinbrechen kann.

Instagram-Hotspot Montafon

Im letzten Teil der Digitalkonferenz standen die local heroes der Vorarlberger Social Media Szene im Vordergrund. Mehr als 4,5 Millionen Menschen folgen Alexander Bitschnau alleine auf Facebook – noch nie von ihm gehört? Das haben die wenigsten in seinem Social Media Imperium. Bitschnau ist der Kopf hinter „Made my Day“ – einer Lovebrand, die täglich Memes und lustige Kalendersprüche auf Facebook und Instagram postet und auch für Youtube Content produziert – und das höchsterfolgreich aus einem kleinem Vorarlberger Bergdorf. Aus demselben Tal kommen auch Linda und Anna Meixner. Die beiden Studentinnen haben eine Leidenschaft für Berge, (Winter)Sport und ihre Heimat, das Montafon, und teilen diese auf Instagram – mit Erfolg. Linda hat bereits mehr als 58.000 Followern. Selbes gilt auch für ihre Schwester Anni Meixner mit 25.000 Followern Ihr Erfolgsgeheimnis: Authentizität. Nur wer seine Kooperationspartner sorgfältig auswählt und seiner Marke treu bleibt, hat langfristig Erfolg und kann konstant gute Qualität liefern.

Vom Ego- zum Lego-Prinzip

Hubert Rhomberg ist im „zweitältesten Gewerbe der Welt“ tätig – der Baubranche. Darin ist er ein echter Pionier. Sein Ziel ist nichts weniger als die digitale Revolution in seiner Branche voranzutreiben und in Zukunft nachhaltiger zu bauen.  Das alleine zu bewältigen ist ein kühnes Unterfangen, das weiß auch Rhomberg selbst. Darum erzählt er so vielen anderen wie möglich von seinen Ideen. „Zu oft steht uns in unseren Ideen unser Ego im Weg. Wir wollen Ideen für uns behalten. Von dieser Einstellung müssen wir uns befreien um wirklich etwas zu verändern“, so Rhomberg. Wissensmanangement ist nicht, sein Wissen nur für sich zu behalten, sondern zu wissen, wer was weiß und sich zu vernetzen. Rhomberg ist sicher, dass die Baubranche in zehn Jahren komplett anders aussehen wird, als heute. Wie es vor einigen Jahren noch undenkbar war, vor dem Kauf eines Autos mithilfe eines digitalen Generators, sein Wunschauto zusammenzustellen, ist dies heute aber gängige Praxis. Rhombergs Ziel ist den Kunden auch im Bau eines Gebäudes verstärkt miteinzubeziehen – die Digitalisierung macht es möglich.

Was wir von der IAW 2018 mitnehmen

Neugierig und offen zu bleiben, andere Ansichten anhören – das gilt nicht nur für Konferenzbesuche, sondern für alle Bereiche des Lebens – ob privat oder geschäftlich. Aufzuzeigen, dass die Digitalisierung mehr Chancen bietet, als sie wegnimmt. Auch wenn Jobs wegfallen, kommen immer wieder neue fachspezifische auf. Wie schon in der industriellen Revolution, als alte Technologien durch neue ersetzt wurden, befinden wir uns nun mittendrin in der Industriellen Revolution 4.0. Desto schneller wir uns darauf einstellen, umso besser für unsere Unternehmen und den Wirtschaftsstandort Österreich. Die Interactive West hat nicht umsonst gerade den renommierten „Global Media Award“ in Washington gewonnen. Die Konferenz entwickelt sich jedes Jahr weiter und wird nicht nur größer, sondern auch spannender. Dafür bedanken wir uns bei der Russmedia Digital GmbH für die tolle Organisation. Bis zum nächsten Jahr!

Valentina Landl

Valentina
Landl


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